Mit ‘Maras’ getaggte Artikel

Vergebung für die Killer

Sonntag, 26. August 2012

In kaum einem Staat ist das Leben so gefährlich wie in El Salvador. Verbrecherbanden, sogenannte Maras, terrorisieren das Land. Nun verhandelt die Kirche mit dem Ziel, einen Waffenstillstand im Bandenkrieg zu erreichen, schreibt Tobias Käufer in einem ausführlichen Hintergrundbericht in Publik-Forum.

Er beschreibt die kleinen Fortschritte, die Rolle der Kirche, die jetzt eine aktivere Beteiligung der Regierung einfordert. Was El Salvador braucht, ist ein neuer Friedenspakt, wie ihn die Berater von Präsident Funes und auch der Kirche andenken. Der Waffenstillstand vom März, öffentlichkeitswirksam niedergelegte Waffen und die anerkennenden Worte von OAS-Generalsekretär Insulza sind nur kleine Schritte, das Vertrauen zwischen Zivilgesellschaft und Bandenmitgliedern wieder herzustellen.

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Gangs und Regierung legen Karten auf den (Verhandlungs)tisch

Sonntag, 26. August 2012

Die beiden größten Gangs (maras) El Salvadors und die Regierung haben ihre jeweiligen Punkte für Verhandlungen zur Beendigung von 20 Jahren ausufernder Gewalt auf den Straßen ausgetauscht. Medien, Parlament und die Öffentlichkeit zeigen sich jedoch noch immer skeptisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber solchen Verhandlungen, berichtet Edgardo Ayala für ips aus El Salvador.

Die Chefs der Mara Salvatrucha (MS-13) und  Barrio 18 machten aus dem Gefängnis heraus den ersten Schritt, indem sie ihre Wünsche für die Tagesordnung von möglichen Verhandlungen präsentierten. Offiziell lehnt die Regierung Verhandlungen mit den Gangs ab, fürchtet sie doch die negativen politischen Folgen einer solchen Initiative. Andererseits hat die Regierung Funes den Gangchefs eine  Liste mit ihren Wünschen und Forderungen für eine zweite Phase in den Bestrebungen, die Gewalt einzudämmen, zukommen lassen. Die derzeitigen Kontakte verlaufen indirekt und unter Einschaltung von Vermittlern auf beiden Seiten.

Im März dieses Jahres stimmten die beiden Maras einem Waffenstillstand untereinander, mit der Polizei, dem Militär und Zivilisten zu. Seither ist die Mordrate in einem der gewalttätigsten Länder der Welt drastisch zurückgegangen, von 12-14 Morden täglich auf fünf oder sechs.

Carlos Mojica, Chef der Barrio 18 glaubt  an einen Fortschritt, sieht allerdings auch weiter Hürden und Hindernisse, weil es nach wie vor von vielen Seiten Widerstand gegen Kontakte zwischen Regierung und Maras gebe. Mojica verbüßt derzeit eine Haftstrafe in Gefängnis von Cojutepeque.

Die Gangs oder Maras entstanden in den Achtzigerjahren in den USA, allen voran in Los Angeles, wohin viele Salvadorianer vor dem Bürgerkrieg geflohen waren. Als nach dem Ende des Krieges immer mehr Jugendliche abgeschoben wurden, begannen sie in den Slums San Salvadors und anderer Städte neue Mitglieder zu rekrutieren und ihre Aktivitäten in Richtung organisierter Kriminalität, wie Entführungen, Erpressung von Schutzgeldern und Drogenhandel zu erweitern. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die lokalen Medien und auch die Mehrheit des Parlaments gegen Verhandlungen mit den Maras. Nach offiziellen Einschätzungen gibt es 60.000 Bandenmitgliedeer in El Salvador, weitere 10.000 befinden sich in einem der überfüllten Gefängnisse des Landes.

Welche Rolle die Regierung bei Aushandlung des Waffenstillstands vom März spielte, ist nicht ganz klar. Nach allgemeiner Einschätzung gab es  wohlwollende Unterstützung, indem einige Bandenchefs aus Hochsicherheitsgefängnissen in weniger abgesicherte Einrichtungen verlegt wurden.

Was steht auf der Wunschliste der Maras? Vorrangig geht es Gesetzesänderungen wie die Freilasung von todkranken oder über 65 Jahre alten Bandenmitgliedern auf Bewährung, was bisher nicht möglich ist. Wenig Chance auf Realisierung hat der Wunsch nach Rücknahme der 2010 verabschiedeten Anti-Bandengesetze, die jegliche Form von Bandenaktivität unter Strafe stellen und der Polizei weitreichende Befugnisse geben, so dass schon der Verdacht auf Bandenmitgliedschaft für eine Verhaftung ausreicht.

Genau diesen Punkt kritisiert Mojica scharf und als der Verfassung widersprechend, die jede Form von Diskrimierung verbietet. Mojica fordert auch eine Ende der Isolationshaft im Gefängnis von Zacatecoluca, das in Anlehung an die berüchtigte Gefängnisinsel vor San Francisco als  “Zacatraz” bezeichnet wird.  Mojica selbst saß dort bis März ein. Weiters lehnen die Maras auch die Kronzeugenregelung ab, weil nach Ansicht der Bandenchefs in den Verfahren zu wenig Wert auf stichhaltige Beweise gelegt werde.

Diese Forderungen bestätigen die Kritiker von Verhandlungen zwischen Regierung und Maras. Für Dagoberto Gutiérrez, ehemaliger Guerillakommandant und Abgeordneter, der jetzt als Politikexperte tätig ist, zeigen solche Forderungen nach Gesetzesänderungen die Macht dieser Gruppen. Für Raúl Mijango, ebenfalls ein ehemaliger Guerillakommandant und Vermittler des Waffenstillstands vom März, sind diese Forderungen keineswegs in Stein gemeißelt. Die Bandenchefs trugen ihre Anliegen am 31. Juli dem Generalsekretär der OAS (Organisation amerikanischer Staaten) José Miguel Insulza bei dessem Besuch im Gefängnis vor. Insulza versprach, für bisher erreichte und zukünftige Übereinkommen zu garantieren.

Was sind die Tagesordnungspunkte der Regierung? Sie fordert von den Maras einen umfassenden Verzicht auf Übergriffe, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden, ein Ende von Entführungen, Schutzgelderpressung, Raub und Drogenhandel, was den Banden die finanzielle Basis entziehen würde. Die Schutzgelderpressung (vor allem von Busunternehmern) ist im Waffenstillsabkommen vom März nicht eingeschlossen. Zudem fordert die Regierung die freiwillige Ablieferung aller Waffen sowie die Offenlegung der geheimen Friedhöfe, um das Schicksal der hunderten von Vermissten und Verschwundenen aufklären zu können.

Angesichts der sehr konträren Standpunkte und der vielen Vorbehalte gegen mögliche Verhandlungen ist mit keiner schnellen Lösung zu rechnen. Auch gibt es viel zu wenige Projekte zur Wiedereingliederung ehemaliger Bandenmitglieder in die Gesellschaft oder zur Prävention in den Armenvierteln, wo Jobs für Jugendliche Mangelware sind.

Quelle: ipsnews

Leben in Straßengangs

Montag, 30. Juli 2012

Unter diesem Titel präsentiert news.at eine Fotostrecke (21 Fotos) zu den Straßengangs (Maras) von El Salvador. Dort “kämpfen zwei der weltweit größten Straßengangs um mehr Macht: die berüchtigte lateinamerikanische Gang “Mara Salvatrucha”, kurz “MS 13″, und die “Calle 18″ um Einfluss”. Was News in der Einleitung entgangen ist, ist die Tatsache, dass  wegen des Waffenstillstandes zwischen den Gangs die Mordrate drastisch zurückgegangen ist. Unabhängig davon vermittelt die Fotostrecke einen Eindruck von den ästhetischen Ausdrucksformen der Straßengangs.

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Weniger Morde und niedrigere Zinsen

Donnerstag, 26. Juli 2012

Der Waffenstillstand zwischen den beiden größten und gewalttätigsten Gangs (Barrio 18 and Mara Salvatrucha) vom 9. März zeigt Früchte. Die Zahl der Morde ist deutlich gesunken, die Zinsen für Staatsanleihen auch. Das Abkommen wurde anfangs mit Skepsis beäugt und vielfach als Kapitulation der Regierung vor den Gangs kritisiert. Allein die Erfolge scheinen den Verhandlern auf Seiten der Kirche (Militärbischof Fabio Colindres) und der Regierung (Innenminister Munguía Payes) Recht zu geben. In den Nachbarstaaten, in denen Gangs auch großen Einfluss gewonnen haben, wächst das Interesse an dem Experiment. Am 12. Juli machte sich sogar der Generalsekretär der OAS (Organisation amerikanischer Staaten) Jose Miguel Insulza persönlich ein Bild von der Lage und besuchte Anführer der Gangs im Gefängnis.

Seit dem Waffenstillstand fiel der Zinssatz für Staatsanleihen um mehr als einen halben Prozentpunkt, doppelt so stark wie im lateinamerikanischen Durchschnitt.  Vertreter von Investmentfirmen verweisen eindeutig auf den Zusammenhang mit dem Rückgang in der alltäglichen Gewalt und der Mordrate. Diese war nach UN-Angaben mit 62 Morden auf 100.000 Einwohner 2011 die zweithöchste in der Welt (hinter Honduras mit 82). Seit März ging die Zahl der Morde um 70% zurück, von 14 Morden täglich auf 4.

Die Bandenchefs setzten jetzt auf soziale Verantwortung und zeigen, dass sie nicht nur Teil des Problems sondern Teil der Lösung seien, indem sie zu einer friedlichen Gesellschaft beitragen. Jetzt ist allerdings die Regierung gefordert, mit Reintegrationsprogrammen und der Schaffung von Bildungschancen und Jobs für Gangmitglieder eine Perspektive für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

So bleibt noch viel zu tun, wobei die Regierung eine Fortsetzung des Waffenstillstands viel notwendiger braucht als die Maras, um das Land aus der wirtschaftlichen Krise zu führen und wenigstens die Wachstumsraten der Nachbarstaaten zu erzielen.

Quelle: Bloomberg News

zum Weiterlesen: Artikel in Sütirol online

Maras verzichten auf Rekrutierung von Jugendlichen

Samstag, 05. Mai 2012

Ein Sprecher der berüchtigten Mara-18 gab laut AFP auf einer Pressekonferenz bekannt, dass die Banden auf die Zwangsrekrutierung von Jugendlichen verzichten würden. Diese Ankündigung steht im Zusammenhang mit dem Bestreben, die Schulen des Landes zu “Friedenszonen” zu erklären.

“Wir erklären hiermit, dass wir in Zukunft auf alle Formen unfreiwilliger Rekrutierung von Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen verzichten werden”, so Víctor Antonio García, Chef der Mara-18 auf einer Pressekonferenz in Quezaltepeque, 25 km nördlich von San Salvador. Diese Maßnahme erfolgte akkordiert mit der Mara Salvarucha (MS-13), der zweiten großen Bande des Landes. Bisher waren die Maras in  in den Schulen präsent, um Jugendliche ab dem Alter von 12 Jahren zu rekrutieren. Dabei kam es auch zu Drohungen gegen Lehrer und Direktoren, um Schutzgeld zu erpressen. Das soll sich nach der jüngsten Erklärung ändern.

“Die Schulen gelten jetzt nicht mehr als Kampfgebiet der Maras; das soll Schülern und Lehrern einen geregelten Lern- und Arbeitsprozess ermöglichen und Eltern von der Sorge um die Sicherheit ihrer Kinder befreien.”

Seit einem (umstrittenen) Waffenstillstand unter den Maras, der unter Vermittlung von Militärkaplan Fabio Colindres und Ex-Guerrilla-Kommandanten und Abgeordneten Raúl Mijango ausgehandelt wurde, ging nach Polizeiangaben  die Zahl der täglichen Morde von 14 auf 5 zurück. Vor wenigen Wochen gab es sogar einen Samstag ohne einen einzigen Mord. Die Anführer der Maras sehen dies als Beweis dafür, dass sie Teil der Lösung des größten Problems des Landes – nämlich der Gewalt – sein wollen. In den letzten Jahren findet sich das Land immer an der Spitze der Länder mit den meisten Morden.

Anders als früher begrüßen die Maras nun auch die von Funes angekündigte Initiative eines nationalen Paktes zur Lösung der strukturellen Ursachen der Gewalt. DIe Führung der Maras bedankte sich ausdrücklich bei den einzelenen Zellen, bei den freien und inhaftierten Bandenmitglieder für die Disziplin der letzten Wochen, die El Salvador aufatmen ließen.

Quelle:Univisionnoticias

Gibt es einen Deal mit den Banden?

Montag, 26. März 2012

Der mittelamerikanische Kleinstaat El Salvador leidet seit Jahren unter einem blutigen Bandenkrieg. Die Gangs “Mara Salvatrucha” und “Pandilla 18″, deren Führungskader großteils in US-Gefängnissen mit Jugendbanden in Kontakt kamen und nach ihrer Abschiebung in die Heimat dort ähnliche Strukturen aufbauten, töteten im Jänner 14 Menschen pro Tag. Zum Vergleich: der 1992 beendete Bürgerkrieg zwischen US-finanzierter Armee und linker FMLN-Guerilla kostete täglich im Durchschnitt 17 Menschen das Leben.

Seit Mitte März hat sich die Mordrate halbiert, berichtet Bert Eder im Standard. Offensichtlich ist an Berichten in der renommierten Online-Zeitung El Faro, wonach es zu einem Deal zwischen Regierung und den führenden Köpfen der beiden großen Banden kam, doch etwas daran.

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El Faro: Munguía Payés justifica haber sacado de máxima seguridad a líderes pandilleros

Insight Crime: Church Brokered El Salvador Gang Truce: Bishop

La Vida Loca – ein Leben zwischen Drogen und Gewalt

Sonntag, 08. Januar 2012

Sie sind mit Tätowierungen übersäht, verständigen sich in einem eigenen Sprach-Mix aus Englisch und Spanisch und ihr Alltag besteht aus grenzenloser Gewalt, schreibt Anna-Maria Jeske in einem Artikel für Adveniat (BRD). Sie terrorisieren ganze Städte und ihre Existenz hat sich für Zentralamerika zu einem umfassenden Sicherheitsproblem entwickelt. Die Maras sind transnational vernetzte, straff organisierte Jugendbanden, die sich über Drogen- und Waffenhandel finanzieren. Sie sind hauptsächlich in den Großstädten El Salvadors und Guatemalas zu finden und kontrollieren dort ganze Stadtteile. Wo sie leben, hat das staatliche Gewaltmonopol keine Bedeutung mehr.

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>> Video-Dokumentation von Ross Kemp: Die gefährlichsten Gangs der Welt – MS13 (45 Min.)

Trauriger Rekord: mehr als 4300 Morde 2011

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Mit mehr als 4300 Morden war das Jahr 2011 das mit den meisten Morden seit dem Ende des Bürgerkriegs 1992. Nach Angaben der Polizei wurden 2011 bis zum 26. Dezember 4.308 Menschen ermordet. Das sind 9.3% mehr Morde als im Jahr davor.

Polizeichef Carlos Ascencio hat einige Erfolge aufzuweisen. 297 Ganggruppen wurden aufglöst, von denen 124 der inzuwischen transnational operierenden Mara Salvatrucha angehören. 4000 Soldaten patrouillieren auf den Straßen und sollen für mehr Sicherheit sorgen. Ein ehemaliger General, David Munguía Payes,  ist inzwischen zum Innenminister gemacht worden. Dennoch bringt die von der Regierung verfolgte Strategie zur Bekämpfung der Gewalt und Unsicherheit nicht den gwünschten Erfolg, was sich in sinkenden Zustimmungsraten für die linke Regierungspartei und Präsident Funes niederschlägt.

Laut einem Bericht der UNO ist El Salvador das Land mit der meisten Gewalt und einer der höchsten Mordraten weltweit (62 Morde auf 100.000 Einwohner). Im Schnitt werden täglich zwölf Menschen ermordet, dazum kommen zahlreiche bewaffnete Raubüberfälle. Schätzungen sprechen von etwa 18.000 organisierten Bandenmitgliedern, die von Unternehmern und Transportformen Schutzgeld erpressen. Längst operieren auch Gruppen der (meixikanischen ) Drogenmafia im Land und schmuggeln und verkaufen dort Drogen, Waffen und selbst Menschen.

Quellen: afp

Bürgernahe Polizei in Nicaragua hält Verbrechensrate niedrig

Donnerstag, 08. September 2011

Zentralamerika: Bürgernahe Polizei in Nicaragua hält Das soge­nannte nörd­liche Dreieck Zen­tral­ame­rikas, das El Sal­vador, Hon­duras und Gua­te­mala bilden, ist eine der gefähr­lichsten Regionen der Welt. Im benach­barten Nica­ragua hält sich die Kri­mi­na­lität dagegen in Grenzen, berichtet Danilo Val­la­dares für ips. Und das, obwohl das Land eben­falls von Armut betroffen ist und eine Bür­ger­kriegs­ver­gan­gen­heit hat. Poli­ti­sche Beob­achter sehen den Unter­schied in einem stär­keren Zusam­men­halt der Gesell­schaft und einer gut funk­tio­nie­renden Bür­ger­po­lizei in Nicaragua.

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Straßengangs in El Salvador

Mittwoch, 07. September 2011

Auf YouTube gibt es einen 15-Minuten-Beitrag über die gefährlichsten Straßengangs El Salvadors, die Mara Salvatrucha und die Mara 18 sowie die Hintergründe ihres Entstehens und die Ursachen der epidemischen Gewalt. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft werden nicht ausgespart. Die Strukturen der Gangs bis hin zu Gefängnissen und Drogenhandel werden aufgezeigt. Ein sehenswerter Clip (auf deutsch).

Quelle: YouTube