Archiv für Januar 2012

Spanien will Auslieferung

Samstag, 14. Januar 2012
Wegen der Tötung von sechs Jesuiten und zwei weiteren Menschen während des Bürgerkriegs hat die spanische Regierung die Auslieferung von 13 ehemaligen Offizieren aus El Salvador beantragt. Fünf der getöteten Priester waren Spanier. Im vergangenen Jahr hatte der Oberste Gerichtshof in El Salvador die Verhaftung der Verdächtigen abgelehnt, da kein Auslieferungsantrag gestellt worden war. Nun werde das Gesuch dem Gerichtshof erneut vorgelegt, kündigte Außenminister Hugo Martinez am Donnerstag an.
Quelle: Junge Welt

Verfahren gegen die Mörder des Dichters Roque Dalton eingestellt

Dienstag, 10. Januar 2012

Ein Gericht in San Salvador stellte am 9. Jänner das Verfahren gegen die mutmaßlichen Mörder des Dichters Roque Dalton ein. Der Revolutionär Dalton – El Salvadors wichtigster Dichter des 20. Jahrhunderts – wurde 1975 von führenden Mitgliedern seiner Guerillaorganisation hingerichtet.

Der Richter begründete seine Entscheidung mit der Verjährung des Verbrechens. Des Mordes beschuldigt sind Joaquin Villalobos, eine prominenter Ex-Kommandant der FMLN und Jorge Melendez, der derzeit als Chef des Zivilschutzes fungiert. Während Melendez jede Schuld zurückwies, gab Villalobos zu, dass einige Guerillaführer den Mord anordneten, nachdem Dalton beschuldigt worden war, ein Verräter und CIA-Agent zu sein.

Ein Gerichtsverfahren gegen die Mörder Daltons wird seit Jahren von seinen beiden Söhnen angestrengt. Sie brachten den Fall auch vor die Interamerikanischen Menschenrechtskommission. Unterstützt werden sie dabei unter anderem vom Menschenrechtsinstitut der Jesuitenuniversität. Daltons Söhne führen ins Treffen, dass es sich beim Mord an ihrem Vater um einen weiteren Fall von Straflosigkeit handle, da der Mord in der Vergangenheit nie vor ein Gericht kam. Sie sind der Ansicht, dass Gerechtigkeit gelten muss, egal ob eine Mord von Armee und Regierung oder der Guerilla, die gegen die letzteren kämpfte, begangen wurde.

Daltons Söhne, ein Journalist sowie ein Filmemacher, kündigten weitere Schritte an.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog; Washington Post

La Vida Loca – ein Leben zwischen Drogen und Gewalt

Sonntag, 08. Januar 2012

Sie sind mit Tätowierungen übersäht, verständigen sich in einem eigenen Sprach-Mix aus Englisch und Spanisch und ihr Alltag besteht aus grenzenloser Gewalt, schreibt Anna-Maria Jeske in einem Artikel für Adveniat (BRD). Sie terrorisieren ganze Städte und ihre Existenz hat sich für Zentralamerika zu einem umfassenden Sicherheitsproblem entwickelt. Die Maras sind transnational vernetzte, straff organisierte Jugendbanden, die sich über Drogen- und Waffenhandel finanzieren. Sie sind hauptsächlich in den Großstädten El Salvadors und Guatemalas zu finden und kontrollieren dort ganze Stadtteile. Wo sie leben, hat das staatliche Gewaltmonopol keine Bedeutung mehr.

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>> Video-Dokumentation von Ross Kemp: Die gefährlichsten Gangs der Welt – MS13 (45 Min.)

20 Jahre Friedensabkommen

Freitag, 06. Januar 2012

Am 16. Jänner 1992 wurden in Chapultepeque, Mexiko jene Friedensverträge unterzeichnet, welche den blutigen Bürgerkrieg und die Vorherrschaft der Streitkräfte beendeten. In der Folge wurde die damalige Guerillabewegung FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberacíon Nacional) zu einer politischen Partei, die es nach mehreren Anläufen 2009 erstmals schaffte als stärkste politische Kraft im Land mit Präsident Funes die Regierung zu stellen.

Das Parlament hat das Jahr 2012 einstimmig dem Gedenken an die Friedensverträge gewidmet. Parlamentspräsident Sigifrido Reyes betonte die Bedeutung der Verträge für das Zusammenleben iom Land, aber auch die Verantwortung für deren Weiterentwicklung für künftige Generationen. Es wird zahlreiche Veranstaltungen zum 20. Jahrestag geben, die von einer Kommission auf höchster Regierungsebene koordiniert werden.

Für die Auftaktveranstaltung am 16. Jänner wurde eine wichtige Stellungnahme von Präsident Funes zu Menschenrechtsangelegenheiten angekündigt. Auch in Frankreich und Mexiko – den Schirmherren der Friedensverhandlungen – sind Veranstaltungen geplant.

Quelle: Prensa Latina

Regierung verurteilt Zerstörung des Wandbilds an der Kathedrale

Freitag, 06. Januar 2012

Die salvadorianische Regierung verurteilte am 4. Jänner die Zerstörung des Murals des Künstlers Fernando Llort. Llort hatte dieses Mural als Hommage für die Friedensverträge 1997 um das Portal der Kathedrale angefertigt. In den letzten Tages des Jahres 2011 wurde es im Auftrag des Erzbistums entfernt. Das Kulturministerium sprach von einem Verstoß gegen den Denkmalschutz. Das Mosaik verband präkolumbianische und christliche Motive, um einen wichtigen Moment in der Geschichte des Landes zu würdigen, nämlich das Ende des Bürgerkrieges.

Angesichts massiver Kritik  entschuldigte sich der Erzbischof bei dem Künstler, der in einer Pressekonferenz die Zerstörung seines wichtigsten Werkes als traurigste Erfahrung seines Lebens bezeichnete.

>> Video von der Presskonferenz des Künstlers

>> Presskonferenz des Erzbischofs

Quelle: Estrategia Negocios

Zwanzig Jahre nach den historischen Friedensvereinbarungen fordert die Kirche einen neuen „Sozialpakt“

Freitag, 06. Januar 2012

Die Bilanz sei nach 20 Jahren zwar positiv, doch heute sei „mehr Engagement“ notwendig, so Erzbischof José Luis Escobar von San Salvador, wenige Tage vor dem 20. Jahrstag der historischen Friedensvereinbarungen, die am 16. Januar 1992 in Chapultepec (Mexiko) unterzeichnet wurden. Mit den Friedensvereinbarungen wurde ein 12jähriger Bürgerkrieg beendet.

In einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt, betont der Erzbischof von San Salvador: „Als Kirche haben wir die Friedensvereinbarungen stets gewürdigt. Sie wurden größtenteils umgesetzt und die Bilanz ist positiv. Es ist wichtig, dass wir nicht wieder zum Krieg zurückgekehrt sind und allein deshalb verdient das Land die Anerkennung der ganzen Welt, auch wenn es im Land heute eine neue Phase der Gewalt gibt“.
In diesem Zusammenhang fordert die Kirche heute einen neuen „Sozialpakt“ zur Bekämpfung von Gewalt und Armut in El Salvador. „Wir dürfen nicht denken, dass alles in Ordnung ist“, so der Erzbischof, „Wenn wir eine Bilanz ziehen, dann können wir sagen, dass Fortschritte gemacht wurden, aber wir müssen auch gestehen, dass es bedauerlicher Weise viele Armut und Gewalt gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch heute viele Menschen Opfer der Gewalt werden. Dies ist ein Problem, das wir lösen müssen“.
Abschließend betont der Erzbischof von San Salvador: „Die Feiern zum 20jährigen Jubiläum der Friedensvereinbarungen landen uns dazu ein über die Achtung des Friedens nachzudenken. Doch es besteht auch heute noch eine Schuld gegenüber der Gesellschaft, denn so lange die Situation nicht ganz gelöst ist, wird es in der Gesellschaft auch nicht überall Frieden geben“.
Quelle: Fidesdienst, 4.1.2012

Wandmosaik von Kathedrale entfernt

Montag, 02. Januar 2012

Ohne Vorankündigung und Behördenbewilligung ließen die Verantwortlichen des Erzbistums von San Salvador Ende Dezember ein Wandmosaik des bekannten salvadorianischen Künstlers Fernando Llort vom der Fassade der Kathedrale entfernen. Llort schuf das Wandmosaik 1997 als Hommage an die Friedensverträge von 1992 und bezeichnet es auf seiner Homepage als sein wichtigstes Werk. Das farbenfreudige Mosaik prägte seitdem das Erscheinungsbild der Kathedrale.  Gerüchte, wonach es durch ein Motiv des Salvador Mundo (Patron El Salvadors) ersetzt werden soll, wurden von Erzbischof José Luis Escobar Alas inzwischen dementiert.

Die Familie des Künstlers reagierte geschockt. Sein Sohn versuchte noch Stücke des Mosaiks zu retten. El Salvadors Regierung verurteilte die Zerstörung des Mosaiks als Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz, da sie bereits Schritte eingeleitet hatte, das Mural zu einem nationalen Kulturerbe zu erklären und unter besonderen Schutz zu stellen.

Die Entfernung des Kunstwerks stieß in der Öffentlichkeit weitgehend auf Unverständnis und Ablehnung. Journalisten warteten zunächst vergeblich auf eine Stellungnahme bzw. Interview seitens der Verantwortlichen der Kathedrale. Llort ist der bekannteste Künstler aus La Palma und prägte mit seinen charakteristischen Darstellungen die dortigen Künstlerwerkstätten, die weit über El Salvador hinaus für ihr Kunsthandwerk – meist auf Holz – bekannt wurden. Der Historiker Carlos Cañas Dinarte forderte die bildenden Künstler  El Salvadors auf aus den Resten des zerstörten Mosaiks Installationen zu Ehren Llorts anzufertigen.

Angesichts der massiven Kritik entschuldigte sich Erzbisch Escobar Alas am 1. Jänner bei der Familie des Künstlers und räumte ein, es sei ein Fehler dewesen, sie nicht vorab zu informieren. Als Begründung für die Zerstörung des Mosaiks gab er irreparable Schäden an.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog, La Pagina; El Diario de Hoy