Archiv für Dezember 2011

Armut 2011 – das “entzückende Haus”

Samstag, 31. Dezember 2011

Der 102 Jahre alte Prudencio Amaya und seine Lebensgefährtin, die 78 Jahre alte Maria Ponce, leben in einem Haus, dessen Wände aus alten Plastikflaschen bestehen. Maria Ponce sagt, die Idee dazu kam ihr 2005 in einem Traum. Das Geld für normale Wände hätte sie nicht gehabt, lebt sie doch mit ihrem Lebensgefährten von 10 Dollar wöchentlich. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit einem kleinen Maisfeld und Spenden von Touristen, die nach El Transito kommen, um das “entzückende Haus” – “La Casita Encantada” – zu sehen. Gesehen und fotografiert von Rick Shulman, veröffentlicht im Fotoblog von msnbc.

Quelle: msnbc Fotoblog

Jüngste Meinungeumfragen sehen rechte ARENA-Partei im Vorteil

Freitag, 30. Dezember 2011

Eine von der Tageszeitung La Prensa Grafíca durchgeführte Meinungsumfrage unter 1500 SalvadorianerInnen sieht im Hinblick auf die Parlaments- und Gemeindewahlen am 11. März 2012 die rechte Oppositionspartei ARENA voran. In der zwischen 15. und 19. Dezember durchgeführten Umfrage gaben 29,5% an, sie würden bei den Parlamentswahlen ARENA wählen, während die linke Regierungspartei FMLN nur von 22,5% der Befragten genannt wurde. Noch deutlicher ist die Präferenz für ARENA mit 32,3% (gegenüber 23,2%) bei der Frage nach der Wahl der Bürgermeister. Von den kleinen Parteien erhielt die von der ARENA abgespaltene  GANA (Gran Alianza por la Unidad Nacional) mit 4,9% den größten Zuspruch. Eine Meinungsumfrage der Jesuitenuniversität sah noch die FMLN voran. Santiago Flores von der politischen Kommission der FMLN versuchte die Relevanz der Umfragen herunterzuspielen, da der Wahlkampf noch nicht angelaufen sei.

In den Umfragenwerten widerspiegeln sich der neben der Unentschlossenheit vieler WählerInnen vor allem aber Misstrauen und Desinteresse an den Wahlen. Nach wie vor ist das Land politisch zwischen rechts und links polarisiert.  Gewalt und Kriminalität – nicht zuletzt ein Erbe des Bürgerkriegs und der 20 Jahre ARENA-Herrschaft – hemmen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Land und verhindern, dass offensichtliche Fortschritte der letzten drei Jahre, wie z.B. im Gesundheits- und Bildungswesen, von den WählerInnen wahrgenommen und honoriert werden.

Am 11. März werden in El Salvador 84 Abgeordnete zum Parlament und Bürgermeister für die 262 Gemeinden gewählt. Dabei gibt es einige Neuerungen und Verbesserungen im Wahlrecht (Wahl vor Ort, unabhängige Kandidaten). Nach wie vor gibt es allerdings kein Wahlrecht für AuslandssalvadorianerInnen.

Quelle: EFE; La Prensa Grafíca; Bildquelle: TSE

Merry Crisis!

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Der Karikaturist der Online-Zeitung ContraPunto brachte die Sicht vieler Salvadorianer mit spitzer Feder auf den Punkt. Eine Zuspitzung der Wirtschaftskrise, allgemeine Unsicherheit und wenig Hoffnung auf bessere Zeiten – Weihnachten und Jahreswechsel auf salvadorianisch.

Quelle: ContraPunto

Neuer Konflikt zwischen Funes und der FMLN?

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Erreicht der seit längerem schwelden Konflikt zwischen Präsident Funes und der Regierungspartei FMLN einen neue Stufe? Nach Weihnachten wurde bekannt, dass Funes den bisherigen Chef des Geheimdienstes (Organismo de Inteligencia del Estado/OIE), Eduardo Linares vom Dienst enthoben hat.

Eduardo Linares

Eduardo Linares

Linares gilt als charismatischer Politiker. Als legendärer Ex-Kommandant (”Douglas Santamaría”) der größten FMLN-Gruppierung verfügt er über großen Rückhalt in der Basis der FMLN. Seine Entlassung gibt Anlass zu zahlreichen Spekulationen über das Verhältnis zwischen Funes und der FMLN. Mit Linares “verliert” die FMLN nach Innenminister Manuel Melgar (er trat vor einigen Wochen zurück) eine weitere wichtige Position in der Regierung.  Die Entlassung Linares steht möglicherweise auch in Zusammenhang mit dem neuen Innenminister David Munguía Payes, der die Position des Geheimdienstchefs mit einem Mann seines Vertrauens besetzen möchte. Munguía Payes Ernennung zum  Minister stieß in der FMLN und auch in der Zivilgesellschaft auf heftige Kritik, wurde doch mit ihm ein ehemaliger General auf den sensiblen Posten des Innenministers gehievt, worin viele einen Bruch der Friedensverträge sehen.

Die Ablösung von Linares eskaliert nur drei Monate vor den Parlaments- und Gemeindewahlen den Konflikt zwischen Funes und den FMLN möglicherweise weiter.

Quelle: Contrapunto; Bildquelle: Contrapunto

Neue Meinungsumfragen der Jesuitenuniversität UCA

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Das Institut für öffentliche Meinung der Jesuitenuniversität UCA (IUDOP) veröffentlicht traditionell zu Jahresende die Ergebnisse seiner neuesten Meinungsumfrage. Im folgenden einige der Ergebnisse:

  • 65% der Salvadorianer sehen in der Kriminalität das größte Problem des Landes, nur 30% hingegen in der Wirtschaft. Diese wurde bis 2009 immer als größeres Problem eingeschätzt.
  • Mehr als drei Viertel der Befragten (76%)  gaben an, die Kriminalität habe im Jahr 2011 zugenommen.Das Vertrauen in die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen ist gering.
  • Fast ein Viertel der Befragten (22.5%) sagten, sie seien in den letzten zwölf Monaten Opfer einer kriminellen Handlung gworden.
  • 59% der Befragten begrüßen die Stationierung von Truppen auf den Straßen als einen Beitrag zur Bekämpfung des Verbrechens, obwohl diese Maßnahme bei Menschenrechtsorganisationen und auch in Bloggerszene zum Teil heftig kritisiert und als Bruch der Friedensverträge gesehen wird.
  • Mehr als zwei Drittel (67,4%) sagten, die Lebenshaltungskosten seien 2011 stark gestiegen. Nur 17,5% glauben an eine wirtschaftliche Erholung, 38% äußerten sich pessimistisch für 2012.
  • 39% haben größtes Vertrauen in die katholische Kirche, dicht gefolgt von den protestantischen Kirchen und der Armee (jeweils 37%).
  • Politische Parteien (4,5%), das Parlament (6,3%) und der Oberste Gerichtshof (7.7%) genießen hingegen sehr geringes Ansehen und Vertrauen bei den Befragten.
  • Das schlägt sich auch in einem weitgehenden Desinteresse für den laufenden Wahlkampf (Parlaments- und Gemeindewahlen im März 2012) nieder. Jeweils ein Drittel zeigten in der Umfrage kein oder nur geringes Interesse daran.
  • Auch das Vetrauen in den Wahlprozess ist bei 44,3% der Befragten nur gering. 17,1% haben überhaupt kein Vertrauen.
  • Bei der Frage nach den Parteipräferenzen sind die Umfragewerte seit Monaten stabil:  die rechte ARENA-Partei kommt auf etwa 24%, die linke Regierungspartei FMLN auf 28% (Bürgermeister) – 29% (Parlament).
  • Die Zustimmungswerte für Präsident Funes sind seit 2009 stetig gefallen, von 73% im Novmeber 2009 auf 42% im November 2011. Bei einer Gallup-Umfrage kam Funes allerdings auf 57% Zustimmung und damit auf einen höheren Wert als jeder andere Präsident in der Region (z.B. Ortega 43%).
  • Gute Noten gab es für das Katastrophenmanagement der Regierung anlässlich des Hochwassers im Oktober. 81% der Befragten beurteilten die Maßnahmen dert Regierung als gut oder sogar sehr gut.

Quelle: IUDOP; Gallup; Tim’s El Salvador Blog

Trauriger Rekord: mehr als 4300 Morde 2011

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Mit mehr als 4300 Morden war das Jahr 2011 das mit den meisten Morden seit dem Ende des Bürgerkriegs 1992. Nach Angaben der Polizei wurden 2011 bis zum 26. Dezember 4.308 Menschen ermordet. Das sind 9.3% mehr Morde als im Jahr davor.

Polizeichef Carlos Ascencio hat einige Erfolge aufzuweisen. 297 Ganggruppen wurden aufglöst, von denen 124 der inzuwischen transnational operierenden Mara Salvatrucha angehören. 4000 Soldaten patrouillieren auf den Straßen und sollen für mehr Sicherheit sorgen. Ein ehemaliger General, David Munguía Payes,  ist inzwischen zum Innenminister gemacht worden. Dennoch bringt die von der Regierung verfolgte Strategie zur Bekämpfung der Gewalt und Unsicherheit nicht den gwünschten Erfolg, was sich in sinkenden Zustimmungsraten für die linke Regierungspartei und Präsident Funes niederschlägt.

Laut einem Bericht der UNO ist El Salvador das Land mit der meisten Gewalt und einer der höchsten Mordraten weltweit (62 Morde auf 100.000 Einwohner). Im Schnitt werden täglich zwölf Menschen ermordet, dazum kommen zahlreiche bewaffnete Raubüberfälle. Schätzungen sprechen von etwa 18.000 organisierten Bandenmitgliedern, die von Unternehmern und Transportformen Schutzgeld erpressen. Längst operieren auch Gruppen der (meixikanischen ) Drogenmafia im Land und schmuggeln und verkaufen dort Drogen, Waffen und selbst Menschen.

Quellen: afp

Erfolge im Kampf gegen den Analphabetismus

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Vor den Weihnachtsfeiertagen wurde in zwei Gemeinden El Salvadors feierlich das Ende des Analphabetismus verkündet, nämlich in Comacaran in der Provinz  San Miguel und in San Francisco Lempa in der Provinz Chalatenango. Seit März 2010 haben dort alle Menschen lesen und schreiben gelernt und sich mit Hilfe des staatlichen Alphabetisierungsprogramms persönlich weiterentwickelt, so wie mehr als 100.000 andere Menschen, wie das Bildungsministerium unter Bildungsminister und Vizepräsident  Salvador Sanchez Ceren bekannt gab. Weitere Gemeinden werden im Jänner folgen.

Alphabetisiert wird nach einer in Kuba entwickelten Methode, die auch schon in anderen Ländern Lateinamerikas angewendet wurde. Alphabetisierung und Reformen im Gesundheitswesen gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten Erfolgen von El Salvadors erster linker Regierung.

Quelle: Prensa Latina

Land­frauen for­dern Betei­li­gung an Klimalösungen

Donnerstag, 22. Dezember 2011

In El Sal­vador haben Dut­zende Land­frauen die Ein­stel­lung aller Bergbau– und Was­ser­kraft­pro­jekte ange­mahnt, die sich negativ auf ihre Dörfer und Regionen aus­wirken, berichtet  Edgardo Ayala für IPS. Dar­über hinaus for­derten sie die Regie­rung auf, sie bei der Ent­wick­lung von Lösungen der Kli­ma­pro­bleme ein­zu­be­ziehen. Die Folgen des Kli­ma­wan­dels sind gra­vie­rend und gerade im Fall El Sal­vador nur allzu deut­lich sichtbar.

>> gesamten Artikel in Womblog lesen

Katholische Kirche fordert mit Blick auf die Wahlen im Jahr 2012 „eine Wahlkampagne die eines zivilen Landes würdig ist“

Montag, 19. Dezember 2011

Die katholische Kirche in San Salvador fordert die politischen Parteien des Landes mit Blick auf die bevorstehende Wahl im Jahr 2012 zu einer „sauberen Wahlkampagne“ auf. „Die Kirche erwartet sich eine Wahlkampagne, die eines zivilen Landes würdig ist und zwar im wahren Sinne dieses Wortes“, so der Erzbischof José Luis Escobar Alas von San Salvador bei seiner sonntäglichen Pressekonferenz. Der Erzbischof forderte in diesem Zusammenhang „freien Zugang zu den verschiedenen Wahlprogrammen“.

Es darf keine Wahlkampagnen mehr geben, die keinem nützen und nur bestimmte Kandidaten begünstigen“, so der Erzbischof. „Wir hoffen, dass es im Vorfeld der kommenden Wahlen auch keine Episoden der Gewalt mehr geben wird“, betonte der Bischof. Dabei wies er auch darauf hin, dass das Wahlsystem verbessert wurde und äußerte die Hoffnung, dass „dies wie dies in demokratischen Ländern geschieht, zu einer tatsächlichen Besserung führen wird“.
Die Neuheit bei der bevorstehenden Wahl besteht darin, dass unabhängige Kandidaten eine Direktstimme erhalten können, die nicht wie bisher an einer Partei gebunden ist. Wie aus Informationen hervorgeht, die dem Fidesdienst vorliegen, sollen auch 185 der insgesamt 262 Gemeinden des Landes den dort wohnhaften Bürgern Wahllokale erstmals im eigenen Stadtviertel zur Verfügung stellen.
Die großen Parteien des Landes, darunter die „Frente Farabundo Marti para la Liberacion Nacional“ (FMLN) und die Oppositionspartei „Alianza Republicana Nacionalista“ (AREANA) haben unterdessen mit ihrer Wahlkampagne insbesondere in der Hauptstadt und den dort angesiedelten großen Einkaufszentren bereits begonnen.
Das Oberste Wahlgericht registrierte unterdessen neuen politische Parteien und 19 Unabhängige Kandidaten, die offiziell bis zum 20. Januar 2012 bekannt gegeben werden sollen.

Quelle: Fidesdienst, 19/12/2012

Partei der Armen

Sonntag, 18. Dezember 2011

El Salvadors FMLN-Regierung verweist auf Erfolge, doch rechte Opposition erstarkt, berichtet André Scheer in der Tageszeitung Junge Welt.

Am kommenden Montag soll in El Salvador der erste Regierungsbezirk zu einem vom Analphabetismus befreiten Gebiet erklärt werden. Comacarán im Departamento San Miguel, rund 160 Kilometer östlich der Hauptstadt San Salvador, sei damit die erste Region, in der die nach dem Wahlsieg der linken Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) 2009 begonnene Alphabetisierungskampagne erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Das sagte El Salvadors Vizepräsident Salvador Sánchez Cerén am vergangenen Sonntag bei einer Parteiveranstaltung. Drei weitere Bezirke sollen ebenfalls noch im Dezember in dieser Weise ausgezeichnet werden.

>> gesamten Artikel lesen