Archiv für September 2011

Kirche prüft Wiederaufnahme des Romero-Prozesses

Dienstag, 27. September 2011

Die Kirche in El Salvador erwägt nach einem Bericht der Tageszeitung “Co Latino” eine Neuaufnahme des Prozesses um die Ermordung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. “Die Justiz und wir als die Kirche schauen uns die Situation an, aber wir haben bislang noch keine Entscheidung getroffen. Wir wollen uns in einer so wichtigen Sache auch nicht unter Druck setzen lassen”, zitiert “Co Latino” (Montagsausgabe) Erzbischof Jose Luis Escobar Alas. Es sei notwendig, sich die notwendige Zeit zu nehmen, um die neuen Erkenntnisse zu prüfen.

Das Blatt hatte vor gut zwei Wochen erstmals den bislang unbekannten Namen des Attentäters veröffentlicht. Der damalige Armee-Scharfschütze Marino Samayoa Acosta hatte am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes den wegen seines Einsatzes für die arme Bevölkerung über die Grenzen des mittelamerikanischen Landes hinaus bekannten Erzbischof Romero erschossen.

Die Hintergründe des Attentats sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die mutmaßlichen Drahtzieher wurden nie verurteilt. Papst Johannes Paul II. besuchte 1996 Romeros Grab in der Kathedrale von San Salvador. Für Romero läuft ein Seligsprechungsprozess bei der zuständigen Kongregation in Rom.

Quelle: kathweb

El Salvador und Wikileaks

Montag, 26. September 2011

Fast 100 Depeschen der US-Botschaft in El Salvador an das US-Außenministerium wurden in den letzten Monaten von der Online-Zeitung El Faro publiziert. Die Dokumente geben Einblick in die Sichtweise der US-Diplomaten und deren Einschätzung der Vorgänge in diesem Land. Sie verweisen immer wieder auf lang gehegte Ängste und Vorurteile gegenüber der Linken. Die meisten Dokumente stammen aus der Präsidentschaft von Antonio Saca (Amtsvorgänger von Präsident Mauricio Funes). Es wurden aber auch schon einige Depeschen aus der Zeit von Funes veröffentlicht.Unter anderem liegen Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass die USA seit 2009 versuchten, Funes zur Entsendung von Truppen nach Afghanistan zu bewegen, wie Journalisten von El Faro recherchierten. Im vergangen August kündigte Präsident Funes einen solchen Schritt an – gegen den Willen der FMLN.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog

UNICEF über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche besorgt

Montag, 26. September 2011

Am 23. September äußerte der Vertreter des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in El Salvador, Gordon Jonathan Lewis, große Besorgnis über das Ausmaß der sexuellen Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen in El Salvador. 73% der zwischen 2008 und 2010 dokumentierten 12.000 Fälle von sexuellen Übergriffen richteten sich gegen Kinder und Jugendliche. In Summe waren das mehr als 8700 Fälle. FAst 90% der Übergriffe werden von Männern begangen.

Lewis forderte schärfer Maßnahmen zum Schutz der Opfer, da das Außmaß der sexuellen Gewalt nicht akzeptabel sei. Er wies auch auf die schwerwiegenden Folgen, wie Schwangerschaften und AIDS hin. Als Unterzeichnerstaat der Kinderrechtskonvention ist die Regierung El Salvadors verpflichtet, alles zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu unternehmen.

Lewis nahm auch die Familien in die Pflicht, die als erste eine Schutzfunktion für ihre Kinder hätten.

Quelle: ContraPunto

Auslieferungs der Täter bei Jesuitenmorden stellt Kirche vor Probleme

Montag, 26. September 2011
Bisher hatte sie sich bislang für eine Amnestie-Regelung für die beschuldigten Militärangehörigen ausgesprochen, um alte Wunden nicht wieder aufzureißen – Erzbischof deutet Kehrtwende an

Im Jesuitenmordprozess von El Salvador hat die Kirche den Obersten Gerichtshof des Landes aufgefordert, ohne politischen Druck über eine Auslieferung der Tatverdächtigen nach Spanien zu entscheiden. Der Erzbischof der Hauptstadtdiözese San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, erklärte am Sonntag (Ortszeit) vor Journalisten, es sei notwendig, dass der Beschluss im Sinne der Wahrheit und Gerechtigkeit falle. Es müsse “das Recht im Interesse des Wohles der Gesellschaft bestätigt” werden.

Beobachter werten dies als Kehrtwende der Kirche. Sie hatte sich bislang für eine Amnestie-Regelung für die beschuldigten Militärangehörigen ausgesprochen, um alte Wunden aus dem Bürgerkrieg nicht wieder aufzureißen.

Im August waren in El Salvador neun frühere Armeemitglieder wegen mutmaßlicher Beteiligung an dem Mord an sechs Jesuiten im Jahr 1989 verhaftet worden. Die Militärs hatten sich den Behörden freiwillig gestellt. Spanien forderte wiederholt die Auslieferung; zwischen El Salvador und Spanien gibt es seit 1997 ein Auslieferungsabkommen.

Da ein Teil der Opfer aus Spanien stammte, will die spanische Justiz die Hintergründe der Gewalttat von 1989 aufarbeiten. In El Salvador waren die Ermittlungen bereits vor Jahren im Zuge einer Amnestie für die Zeit des Bürgerkrieges (1980-1991) eingestellt worden.

Am 16. November 1989 hatten Angehörige einer Armeeeinheit auf einem Universitätsgelände sechs Jesuiten sowie eine Hausangestellte und deren Tochter erschossen. Fünf der Opfer waren Spanier, darunter Universitätsrektor Ignacio Ellacuria und dessen Stellvertreter Ignacio Martin-Baro.

Quelle: kathweb

Kirche begrüßt Auslands-Wahlrecht für Migranten

Montag, 26. September 2011

Die katholische Kirche hat die Ankündigung von Staatspräsident Mauricio Funes begrüßt, dass in El Salvador bei den kommenden Präsidentschaftswahlen 2014 erstmals auch die rund 2,5 Millionen im Ausland lebenden Salvadorianer ihre Stimme abgegeben können. Die Mehrzahl der stimmberechtigten Migranten leben in den USA.

“Wir können nicht von einer vollständigen Demokratie sprechen, wenn unsere weit weg lebenden Brüder und Schwestern nicht ihre fundamentalen demokratischen Rechte ausüben können”, sagte der Weihbischof von San Salvador, Gregorio Rosa Chávez, nach einem Bericht des Internetportals “El Porvenir”. “Ich möchte das Vorhaben der Regierung ausdrücklich unterstützen, dass bei den Präsidentschaftswahlen 2014 die im Ausland lebenden Salvadorianer ihre Stimme abgeben dürfen.”

Die Auslands-Salvadorianer sind ein enormer Wirtschaftsfaktor für das Land, stellte der linksgerichtete Staatspräsident Funes unterdessen klar. Sie würden jährlich etwa umgerechnet 360 Millionen Euro in ihr Heimatland schicken.

Quelle: Blickpunkt Lateinamerika

Jesuitenmorde in El Salvador: Neue Interpol-Haftbefehle

Donnerstag, 22. September 2011

Die Polizei in El Salvador hat erneut internationale Haftbefehle für die fünf mutmaßlichen Jesuitenmörder erhalten. Das bestätigte die Polizei am Mittwoch (Ortszeit) laut dem TV-Sender “Univision”. Vor wenigen Wochen hatte das Oberste Gericht des Landes die Auslieferung der mutmaßlichen Mörder nach Spanien abgelehnt und sich dabei auf Formfehler in den Haftbefehlen berufen. Ein Polizeisprecher erklärte, die von Interpol ausgestellten neuen Haftbefehle würden nun zur Prüfung erneut an das Oberste Gericht weitergeleitet.

Im August waren in El Salvador neun frühere Armeemitglieder wegen mutmaßlicher Beteiligung an dem Mord im Jahr 1989 verhaftet worden. Die Militärs hatten sich den Behörden freiwillig gestellt. Spanien forderte wiederholt die Auslieferung; zwischen El Salvador und Spanien gibt es seit 1997 ein Auslieferungsabkommen.

Da ein Teil der Opfer aus Spanien stammte, will die spanische Justiz die Hintergründe der Gewalttat 1989 aufarbeiten. In El Salvador waren die Ermittlungen bereits vor Jahren im Zuge einer Amnestie für die Zeit des Bürgerkrieges (1980-91) eingestellt worden.

Am 16. November 1989 hatten Angehörige einer Armeeeinheit auf einem Universitätsgelände sechs Jesuiten sowie eine Hausangestellte und deren Tochter erschossen. Fünf der Opfer waren Spanier, darunter Universitätsrektor Ignacio Ellacuria und dessen Stellvertreter Ignacio Martin-Baro.

Quelle: kathweb

Erfolge im Kampf gegen den Analphabetismus

Donnerstag, 22. September 2011

Mehr als 100.000 Erwachsenen haben seit 2010 lesen und schreiben gelernt, so Bildungsminister und Vizepräsident Salvador Sanchez Ceren. Dieser Erfolg ist das Ergebnis eines ehrgeizigen Programms, das El Salvadors Regierung 2010 startete.

Bei Amtsantritt der ersten linken Regierung des Landes im Juli 2009 konnten nach offiziellen Schätzungen fast 18% der über 15-Jährigen nicht lesen und schreiben. Ziel des Alphabetisierungsprogramms der Regierung Funes ist es, die Analphabetenrate bis 2014 auf 4% zu senken. Gegenwärtig gibt es im ganzen Land 14.910 Alphabetisierungszentren mit  13.982 Freiwilligen, die sich im Rahmen des Programms “Lehren für das Leben” für die Alphabetisierung ihrer Landsleute engagieren. In diesem Jahr wurden bereits 44.000 Menschen alphabetisiert, bis Jahresende sollen noch weitere 15.000 dazukommen.

Quelle: Radio Cadena Agramonte

Kein “Cambio” durch Linke in El Salvador

Mittwoch, 21. September 2011

Präsident Funes verliert das Vertrauen der Bevölkerung, der Teilerfolge nicht ausreichen
Es war fraglos ein »historischer« Machtwechsel in El Salvador vor zwei Jahren. Der Kandidat der Partei der linken Guerilla FMLN, Mauricio Funes, übernahm das Präsidentenamt und die Ultrarechte, die das Land zwanzig Jahre lang regiert hatte, nahm dies hin. Inzwischen ist Funes Popularität stark gesunken, berichtet Tom Beier in Neues Deutschland.

Er ist ausgeblieben: der erwartete »cambio«, der grundlegende Wandel in El Salvador. Die Anfangseuphorie, die dem ersten linken Präsidenten in der Landesgeschichte, Mauricio Funes, nach den ersten 100 Tagen noch hohe Zustimmungswerte von über 80 Prozent bescherte, ist längst verflogen. Gut zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im Juni 2009 ist die Zustimmung zu seiner Amtsführung im Keller, auch wenn sich Funes verständnisvoll zeigt und etwa den wegen der ausgebliebenen Gehaltserhöhung enttäuschten Lehrern entgegnete: »Ich habe kein Geld«. Fast schon trotzig fügte er hinzu: »Aber trotz alledem hat El Salvador sich verändert.«

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Chanchona – Musik aus dem Osten El Salvadors

Sonntag, 18. September 2011

Chanchona ist Musik aus dem Osten El Salvadors. Zum Einsatz kommen Violinen und ein Bass. Gespielt wird sie u.a. von der Gruppe Los Hermanos Lovo, von der jetzt auch eine CD erschienen ist.

Chanchona wird in den  ländlichen Regionen der Provinzen Morazan, La Union und San Miguel gespielt. Der Name “Chanchona” bedeutet wörtlich “Sau” und ist der Spitzname für den Bass. Viele Gruppen rekrutieren sich aus Familienverbänden, die Musik wird von Generation zu Generation weitergetragen. Die Wurzeln reichen möglicherweise in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück. In den 50er und 60er Jahren verbreitete das Radio dann die kolmbianische Cumbiamusik. Chanchona griff den Rhythmus der Cumbia auf.

Dass der fröhliche Geist der Chanchonamusik den Bürgerkrieg überdauerte, ist bemerkenswert. Noch heute versprüht sie Freude und gute Partystimmung. Ein Musiker erklärt das so: Sogar während der schlimmsten Zeiten des Krieges gab es besondere Momente des Friedens, als die Msuik eine Brücke zwischen den verfeindeten Gruppen schuf. wie ein DJ von San Miguel berichtet. Einmal gab es ein Fest, und viele Leute bemerkten gar nicht, dass auch Leute von Guerilla zum Feiern gekommen waren, obwohl auch Armeeangehörige da waren. Alle hatten viel Spaß.

Mit den vielen Flüchtlingen kam Chachona auch in die USA, wo sich Los Hermonos Lovo in der Nähe von Wahsington niederließen. Ihr Lied “Soy Salvadoreno” ist eine Hommage an das Land ihrer Herkunft, auf das mit Wehmut zurückschauen.

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Kirche bittet Romero-Mörder um Aufklärung

Sonntag, 18. September 2011
Weihbischof Gregorio Rosa Chavez: “Wenn er lebt, würden wir seinen Beitrag sehr schätzen”

Die katholische Kirche in El Salvador erhofft sich vom mutmaßlichen Mörder des Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero eine aktive Mitarbeit bei der Aufklärung des Attentats im Jahr 1980. “Wenn er lebt, würden wir seinen Beitrag sehr schätzen”, zitierte die Tageszeitung “Colatino” den Weihbischof in San Salvador, Gregorio Rosa Chavez. Die Kirche empfinde “keinen Hass und keine Rache”. Es gehe schlicht um die Wahrheit, “die sehr wichtig ist für die Zukunft der Nation”, appellierte der Bischof, der auch Vorsitzender der Romero-Stiftung ist.

In der vergangenen Woche hatte “Colatino” den Namen des mutmaßlichen Attentäters veröffentlicht. Demnach handelt es sich um einen damaligen Unteroffizier der Nationalgarde, Marino Samayoa Acosta. Er soll Romero am 24. März 1980 während einer Messe mit einem Präzisionsgewehr erschossen haben.

Der damals 62-jährige Romero zählte zu den wichtigsten Verteidigern sozialer Gerechtigkeit und galt als “Stimme der Armen Südamerikas”. Seine Ermordung markierte den Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador. Ein Seligsprechungsverfahren für den Erzbischof ist im Gang.

Quelle: kathweb