Archiv für Februar 2011

Evangelikale Konkurrenz für die katholische Kirche

Samstag, 26. Februar 2011

Der evangelikale Protestantismus findet in Zentralamerika immer mehr Zuspruch, berichtet der Economist. Gepredigt wird in immer größeren Gotteshäusern und dort, wo der Platz nicht reicht, wird über Bildschirme die frohe Botschaft ins Freie übertragen. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber das Straßenbild zeugt von der ungebrochenen Anziehungskraft der Evangelikalen. In El Salvador identifizieren sich nach Schätzungen des US-Außenministeriums kaum mehr 50% der Bevölkerung mit der katholischen Kirche. In Honduras und Belize ist deren Anteil schon unter die Hälfte gesunken, ähnlich ist es auch in Nicaragua. In Mexiko hingegen deklarieren noch immer 90% ihre Loyalität für die katholische Kirche.

Die Abkehr vom Katholizismus begann in Zentralamerika schon während der Bürgerkriege in den 80er Jahren, als katholische Priester und Laien unter dem Einfluss der Theologie der Befreiung die jeweiligen Regierungen kritisierten sowie Sozialreformen und mehr Gerechtigkeit forderten. Für die Behörden „war ein Katholik damals verdächtigt“, erklärt der Weihbischof von San Salvador, Rosa Chávez. Nach der Ermordung von Erzbischof Óscar Romero wandten sich viele den protestantischen Kirchen zu. Auch die im Vergleich zu den Evangelikalen  mangelnde Attraktivität der Messfeiern wird immer wieder als Grund für Schwund an Gläubigen genannt.

Anhänger der Pfingstbewegung

Anhänger der Pfingstbewegung

In den letzten Jahren erweist sich wiederum der Konservatismus der Hierarchien für manche als Hindernis. Edgar López Bertrand, Gründer der  Friends of Israel, konnte nicht katholischer Priester warden, weil sein Eltern geschieden waren. Seine Gruppe erfreut sich großer Beliebtheit bei jüngeren und auch älteren Menschen, weil die optimistische Botschaft vom Wohlstand gerade unter Armen gut ankommt. Das gilt auch als ein Grund, warum der Einfluss evangelikaler Sekten in Costa Rica bei weitem nicht so stark ist.

Die Nähe zu den USA begünstigt die Ausbreitung der neuen Lehren. Knowhow und Ausstattung und vor allem Geld für die Medienarbeit kommen von dort. Friends of Israel verkauft DVDs und religiöse Literatur und überträgt seine Botschaft auch in Radio und Fernsehen. Aus den USA kommen auch Missionare, die in gleichen T-Shirts im Namen Gottes Schulen und Latrinen bauen. In San Salvador betreibt Friends of Israel ein Waisenhaus und eine Stiftung für behinderte Kinder sowie ein Ausbildungszentrum für evangelikale Pastoren.

Der Erfolg der Evangelikalen ist eine Herausforderung für die katholische Kirche. „Wir müssen uns fragen, warum uns die Menschen davonlaufen, was wir falsch machen“, räumt Weihbischof Chavez selbstkritisch ein. Einige verweisen auf eine offenere Position zu Fragen wie vorehelicher Sex oder Abtreibung. Die katholische Kirche hat inzwischen auch ihren eigenen Fernsehkanal.

Trotz der schwindenden Zahl von Kirchenbesuchern ist die katholische Kirche nach wie vor eine wichtige politische Kraft und moralische Autorität im Land. Über Jahre genoss sie in Umfragen das größte Vertrauen aller gesellschaftlichen Institutionen (seit letztem Jahr hat die Armee diese Position inne). Die sonntägliche Pressekonferenz des Erzbischofs wird von den Medien wahrgenommen, die Positionen der Kirche haben noch immer beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Politik. Ein Beispiel dafür ist die ablehnende Haltung der Kirche zum Bergbau. Auch werden Erzbischof und Weihbischof immer wieder als Vermittler bei sozialen und politischen Konflikten herangezogen. Die Kathdrale von Salvador, wo Erzbischof Romero bestattet ist, ist nicht nur Wahlfahrtsort sondern auch Symbol des Widerstandes. Sie wurde im letzten Jahr zwei Mal Gruppen besetzt, die ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollten.

Quelle: The Economist; Foto: Kelly Creedon

Versorgung mit Grundnahrungsmitteln weiter prekär

Samstag, 26. Februar 2011

Anfang Februar berichtete die salvadorianische Tageszeitung El Mundo von gravierenden Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, allen voran den (roten) Bohnen, die  für die Armen der wichtigste Eiweißlieferant sind und ohne die eine Mahlzeit nicht denkbar ist. 2010 ist der Preis für Bohnen von $0.52 auf  $1.24 Pro Pfund gestiegen, was einer Steigerung von 138% entspricht. Gleichzeitig ist auch der Preis für Mais – Basis für die Tortillas (Maisfladen) – gestiegen, wenn auch weniger stark.

Die Konsumentenschützer kritisieren diesen Preisanstieg heftig, weil die wichtigsten Grundnahrungsmittel damit vor allem für die Ärmsten unerschwinglich werden.Als Grund für die Preissteigerung gelten die Ernteausfälle als Folge der schweren Regenfälle im Vorjahr.

Anfang Februar gab die Regierung bekannt, dass 90 Mio. Quintales  Bohnen aus China importiert wurden, um eine  Nahrungsmittelkrise zu entschärfen. Die Kosten dafür belaufen sich auf $ 5 Mio. Normalerweise ist Nicaragua ein wichtiger Lieferant von Bohnen. Die chinesischen Bohnen sind zwar von anderer Qualität, schmecken angeblich aber auch sehr gut. Um die Lage auf dem Markt zu entspannen, wurde mit der Ausgabe von Bohnen zu einem Preis von $0,75 (statt der $1,25 am Markt) pro Pfund begonnen.

Quellen: El Mundo; Contrapunto; Diagramm: El Mundo

Stimmabgabe am Wohnort für 185 Gemeinden bei Wahlen 2012

Samstag, 26. Februar 2011
Wählerschlangen bei den Wahlen von 2009

Wählerschlangen bei den Wahlen von 2009

Das Oberste Wahlgericht (TSE) kündigte am 25. Februar für 185 Gemeinden die Einführung des Wohnortprinzips für die Stimmabgabe bei den Parlaments- und Gemeindewahlen im Jahr 2012 an.

Der Präsident des TSE, Eugenio Chicas, gab bekannt, dass diese lang geforderte und von Präsident Funes unterstützte Maßnahme 71% der Gemeinden und  für 49% der WählerInnen  erreichen wird.

Die Möglichkeit zur Stimmabgabe  am Wohnort wird in neun Provinzen, darunter
San Salvador, Chalatenango, Cuscatlán, Cabañas, La Paz, San Vicente, Usulután, San Miguel, Morazán y La Unión eingeführt. Die Änderung des bisherigen Wahlrechts, das eine Stimmabgabe dort vorsah, wo man im Wahlregister eingetragen war und lange Wählerschlangen und oft weite Anreisewege zur Folge hatte, kostet etwa 7 Mio. Dollar, wie Chicas bestätigte.

Chicas betonte auch, dass es seit Unterzeichnung der Friedensverträge vor über 19 Jahren niemals eine so weit reichende Wahlrechtsreform gegeben hätte. 2012 sollen erstmals (Partei) unabhängige Kandidaten antreten dürfen, auf den Wahlzetteln scheint auch ein Foto des Kadidaten auf und erstmasl kann man seine Stimme am Wohnort abgeben.

Mit diesen Neuerungen hofft die FMLN, welche diese schon lange gefordert hat, eine höhere Wahlbeteiligung zu erreichen. Diese ist in El Salvador nämlich traditionell sehr niedrig (meist unter 50%), was auch mit dem Desillusionierung der Bevölkerung mit den Parteien und deren Umgang mit den wirklich drückenden Problemen des Landes zu tun hat.

Quelle: Contrapunto; Bild: rtve

80 Mio. Dollar von UNO-Organisation für El Salvador

Sonntag, 20. Februar 2011

Am 18. Februar unterzeichnete El Salvadors Außenminister Hugo Martínez einen Kooperationsvertrag über 80 Mio. Dollar für Entwicklungsprojekte in El Salvador, berichtet Contrapunto. Das Geld wird von der UNO über ihre Unterorganisationen zur Verfügung gestellt und dient für die Realisierung von Sozialprojekten im Rahmen des Fünfjahresplans der Regierung Funes. Wichtigster Geldgeber ist das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Die Projekte dienen der Bekämpfung von Armut und Gewalt sowie der Herstellung von mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Quelle: Contrapunto

Zahl der Frauenmorde steigt

Mittwoch, 16. Februar 2011

Die Bekämpfung und Verringerung der Frauenmorde ist zu einer großen Herausforderung für die Länder Zentralamerikas geworden, schreibt Natasha Pitts für adital. Unter diesen befindet sich auch El Salvador, wo täglich mindestens eine Frau einer, von einem Mann ausgeübten, Gewalttat zum Opfer fällt. Daten, die im Landesbericht des Instituts zur Förderung der Frau ISDEMU (Instituto para el Desarrollo de la Mujer) aufgeführt sind bestätigen, dass diese Verbrechen aus Hass weiter ansteigen.

Im gesamten Jahr 2010 wurden 552 Frauen in El Salvador gewaltsam getötet (Die Bevölkerung El Salvadors beträgt 7,3 Millionen, d.R.). Die Zahl der gemeldeten Fälle übersteigt die der 540 im Jahr 2009. Laut der Stiftung für Demokratie, Sicherheit und Frieden FUNDEMOSPAZ (Fundación para la Democracia, Seguridad y Paz) beschleunigt sich der Zuwachs, da die Fälle in den letzten drei Jahren um 64 Prozent gestiegen sind. Die Zahl der monatlichen Fälle habe sich von 28 im Jahr 2007 auf 46 im Jahr 2010 erhöht.

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Sightseeing mit Ex-Guerilleros

Mittwoch, 16. Februar 2011

Bürgerkrieg zieht Touristen an

Nur eine holprige Piste führt in Serpentinen über grüne Hügel nach Cinquera. Dennoch machen sich jedes Jahr 10.000 Touristen aus dem In- und Ausland auf den Weg in das kleine Dorf im Zentrum von El Salvador, berichtet n-tv. Der armselige Ort mit seinen 1800 Einwohnern hat keinerlei touristische Attraktionen zu bieten. Es ist seine Vergangenheit, die die Urlauber anlockt.

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Kräftige Impulse für den Tourismus 2012: Obama, Romero und Strände zum Surfen

Sonntag, 13. Februar 2011

El Salvadors Regierung erwartet für 2012 kräftige Zuwächse im Tourismus, vor allem wegen eines Zusammentreffens mehrerer Faktoren: der Besuch Obamas im März, eine Surfweltmeisterschaft und Erzbischof Romero, dessen Botschaft noch immer Menschen ins Land seines Wirkens lockt.

Allerdings weiß Tourismusminister José Napoleón Duarte, dass es keineswegs einfach ist, El Salvador als attraktive Destinatarin für Touristen zu platzieren, auch wenn San Salvador im September 2011 als Gastgeber des nächsten Interamerikanischen Kongresses für den Tourismus fungiert.

Anlässlich eines Besuchs in den USA informierte sich El Salvadors Tourismusminister auch über die Verwaltung der großen Nationalparks der USA und mögliche Kooperationen zwischen den beiden Ländern. Laut Duarte ist der Tourismus jener Wirtschaftsfaktor, der in den Programmen der Regierung Funes eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Armut spielt, weil im Tourismus Qualitätsarbeitsplätze geschaffen werden können. Ausländische Formen, die in Tourismusprojekte invertieren, müssen sich zur Kooperation mit lokalen Arbeitgebern verpflichten. Als Gegenleistung gibt es Ausnahmen bei der Besteuerung. Dafür müssen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung bei Bau von Hotels berücksichtigt werden.

Jüngsten Statistiken zufolge kamen 2010 1,6 Mio. Touristen ins Land, davon fast ein Viertel aus den USA. Von diesen waren wiederum 60% Salvadorianer, die in den USA leben und vor allem im Urlaub und zu den Feiertagen ihre Familien besuchen. So gesehen spielt der Tourismus bisher nur eine untergeordnete wirtschaftliche Rolle.

Guerilla-Museum in Perquín

Guerilla-Museum in Perquín

Daher setzen die Behörden jetzt auf die Konjunktur des Obama-Besuchs und der Surf-Weltmeisterschaft, um das Land international bekannter zu machen. Ab Juni soll es dann direkte Billigflüge von Fort Lauderdale, Florida geben. Im Juni wird die Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) ihre Jahrestagung in Sal Salvador abhalten, im November wird dann eine Surfweltmeisterschaft zahlungskräftige Touristen in die Hotels und Resorts an der Pazifikküste bringen.

Im Landesinneren lockt die Friedensroute (Ruta de Paz)Menschen an Plätze, die im Bürgerkrieg zerstört und wiederaufgebaut wurden sowie eine Rundfahrt zu Stätten des Wirkens von Monsenor Romero. Die Regierung fördert die Schaffung von Wandbildern zum Gedenken an im März 1980 ermordeten Erzbischof. Und sogar am internationalen Flughafen erinnert ein Porträt an den Erzbischof.

Quelle: ansa; Foto: Ruta de Paz

Wahlrechtsreform: Wettlauf gegen die Uhr

Sonntag, 13. Februar 2011

Die überfällige Reform des Wahlrechts in El Salvador kommt nur langsam voran, so dass einige Reformvorhaben nicht rechtzeitig vor den Parlaments- und Gemeinderatswahlen im März 2012 auf den Weg gebracht werden können, berichtet die Zeitung Co Latino. Die Wahlrechtsreformkommission der Nationalversammlung hat verschiedene Themen auf ihrer Agenda und nur noch wenig Zeit, entsprechende Gesetze vorzubereiten.

Zur Diskussion stehen unter anderem Themen wie die Möglichkeit, parteiunabhängige KandidatInnen zur Wahl antreten zu lassen sowie die Stimmabgabe. Hier geht es konkret um die Regelung der Wahlbezirke und eine Stimmabgabe am Wohnort sowie die Einrichtung von mehr Wahllokalen. In diesen Bereichen werden derzeit Gesetzesanträge vorbereitet.

Außerdem soll ein Art Vorzugstimmensystem auf den jeweiligen Wahllisten eingeführt werden. Auf den Wahlzetteln soll dafür auch ein Foto der KandidatInnen aufscheinen. Darüber haben die Mitglieder des Ausschusses offenbar Einvernehmen erzielt. Damit sollen die WählerInnen jetzt genau wissen, für welchen Kandidaten sie stimmen, Allerdings gibt es kein Stimmensplitting. Es können nur Kandidaten einer Partei gewählt werden.

Norma Guevara, Abgeordnete der Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN) meint allerdings, dass diese Regelung unter den Ausschussmitgliedern noch umstritten ist. Die Zeit für Wahlreformen drängt allerdings.

Quelle: Prensa latina

Kirche kritisiert Gaspreispolitik

Samstag, 12. Februar 2011

Die katholische Kirche in El Salvador hat die Regierung von Staatspräsident Mauricio Funes in der aktuellen Debatte um die Gaspreise aufgefordert, die Bedürfnisse der armen Bevölkerungsschichten nicht zu vergessen. “Wir möchten die Regierung bitten, sich in das Thema zu vertiefen, so dass eine Lösung entsteht, von der alle etwas haben”, erklärte der Erzbischof der Hauptstadtdiözese San Salvador, José Luis Escobar Alas, in dieser Woche. Ein Schnellschuss sei nicht dienlich, stattdessen müssten die Auwirkungen eine möglichen Neuordnung der Gaspreissubventionen genaustens geprüft werden.

“Ich bin dafür, dass wir das System, das wir jetzt haben verbessern. Aber es darf keine substanzielle Änderung geben, die zu Lasten der armen Bevölkerungsschichten geht”, zitieren lokale Medien Erzbischof Escobar Alas. Zudem sei es notwendig, bei der Preisgestaltung die nachhaltigen Energien zu fördern.

Die Regierung Funes prüft derzeit eine Neustrukturierung der Gaspreise. Im April soll ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt werden.

Quelle: Blickpunkt Lateinamerika

Wenig Vertrauen in die Demokratie

Freitag, 04. Februar 2011

Eine jüngst von der Onlinezeitung El Faro veröffentliche Meinungsumfrage zeugt von wenig Vertrauen in die Demokratie. Viele der Befragten gaben an, auf die Demokratie verzichten zu wollen, wenn dies ihr Leben verbessern würde.

In einem Land mit einer langen Geschichte von Militärdiktaturen, in dem es erst seit 19 Jahren wieder demokratische Verhältnisse gibt, sind laut dieser Umfrage fast die Hälfte aller Befragten bereit, einen Militärputsch zu unterstützen, wenn dies ihre Alltagsprobleme lösen würde oder das Land seine wirtschaftlichen und Sicherheitsprobleme weiter nicht in den Griff bekommt. Nur ein Siebtel der Befragten schätzt die Demokratie höher als andere Regierungssysteme.

Das sind nur zwei der aufschlussreichen Ergebnisse einer Umfrage, die Mitte November 2009 von der Analitika Research and Marketing Company durchgeführt wurde.

Insgesamt zeichnet die Umfrage ein Bild von Desillusion und Politikverdrossenheit, weil Politiker ihre Versprechen nicht einhalten. Demokratische Werte werden daran gemessen, ob es mehr Essen am Tisch und weniger Kriminalität auf der Straße gibt.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog; El Faro