Archiv für die Kategorie ‘Organisierte Kriminalität’

Mehr Morde und Verschwundene

Donnerstag, 04. August 2011

Nach Angaben des gerichtsmedizinischen Instituts sind allein in diesem Jahr in nur fünf Gemeinden 625 Menschen als “verschwunden” registriert worden, davon 202 in der Hauptstadt San Salvador, 117 in San Martín, 97 in Mejicanos, 118 a Soyapango und  91 in Apopa (alles Vorstädte von San Salvador). Diese Orte gehoren zu den gewalttätigsten in dem verarmten Land und sind Operationsgebiet der Jugendbanden (”maras”). Die Behörden haben keine landesweiten Statistiken.2010 “verschwanden” 1600 Menschen, von denen die meisten verschleppt, ermordet und in der Nähe von Straßen und Bächen begraben wurden.

in der letzten Juliwoche wurden zwei Jugendliche (14 und 15 Jahre) aus Mejicanos von ihren Familien als abgängig gemeldet. Ihre Leichen fand man am 30 Juli mit Schusswunden in Ayutuxtepeque, 8 km nördlich von San Salvador. Bis Ende Juli wurden in El Salvador 2.485 Menschen ermordet, was durchschnittlich 13 Morde pro Tag bedeutet. Nach einem leichten Rückgang gegenüber den Vorjahr ist die Zahl der Morde zuletzt wieder angestiegen. Allein an den beiden letzten Julitagen wurden 23 Menschen ermordet.

Nach Angaben der hauptstädtischen Polizei (PNC) gehen 80% der Morde auf das Konto der Banden (”maras”, “pandillas”), die ihr Operationsgebiet aufgrund der stärkeren Überwachung und Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt in Gemeinden im Umland verlegt haben, wie etwa Panchimalco und Tonacatepeque, wo in Folge die Zahl der Morde gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat.

Die Polizei sieht bei den meisten Morden einen Zusammenhang mit den Aktivitäten der mexikanischen Drogenkartelle wie den “Zetas”, was  zu noch größerer Brutalität führe. Wo die Drogenbanden operieren, herrsche bei der Bevölkerung ein Klima der Angst, so dass kriminelle Aktivitäten nicht angezeigt würden, so ein Sprecher der Polizei. Daher steige die Kriminalität. Ohne Mithilfe der Bevölkerung sei es allerdings schwieirig, die zuletzt wieder steigende Mordrate zu senken.

Quellen: La Pagina, Contrapunto; Contrapunto

Waffenverbot für Zivilisten in mehreren Regionen des Landes

Montag, 01. August 2011

Am 30. Juli verbot Präsident Funes mittels Erlass Zivilisten in der Hauptstadt und weiteren 26 Gemeinden des Landes Feuerwaffen zu tragen. Betroffen sind Gemeinden mit den höchsten Mord- und Kriminalitätsraten. Der Pressesprecher des Präsidenten, David Rivas, gab bekannt, dass der Präsident auf Antrag des Ministers für Justiz und öffentliche Sicherheit 27 entsprechende Erlässe unterzeichnete. Die Regierung entspräche damit den Wünschen der jeweiligen Gemeinderäte. Das Verbot gilt zunächst für 60 Tage. In einzelnen Gemeinden haben auch die Bürgermeister schon solche Verbote ausgesprochen, allerdings meist nur für kürzere Zeiträume. Ein ähnliches Verbot gab es bereits während der Karwoche, allerdings nicht für die Hauptstadt.

Solange das Verbot in Kraft ist, dürfen nur Polizisten, Soldaten und Mitglieder privater Sicherheitsdienste Feuerwaffen tragen. Es gilt für das gesamte Gemeindegebiet. Auf der Liste befinden sich einige Gemeinden in der Provinz Sonsonate, welche laut Behördenangaben inzwischen die höchsten Mordraten im Land aufweisen. Das Verbot für San Salvador schließt auch die umliegenden Vorstädte ein, in denen die Straßenbanden Mara Salvatrucha und M 18 operieren. Sie haben in den letzten Jahren ihr Operationsgebiet ausgeweitet und einige früher sehr sichere Gemeinden zu Zentren der Kriminalität gemacht.

Rivas betonte, dass die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt hätten, dass solche Verbote die Gewaltkriminalität beträchtlich gesenkt hätten, nämlich die Zahl der Morde um 12%, der Verletzungen um 40% und die der Raubüberfälle um 7%. Sollten die neuen Verbotszonen effektiv sein, ist eine Verlängerung der Maßnahme während der Regierungszeit von Funes angedacht.

Zur Durchsetzung der Verbote kündigte der Präsident verstärkte Patrouillen der Polizei in verschiedenen Regionen des Landes an.  Diese Maßnahme soll dazu beitragen die zuletzt wieder gestiegene Zahl der Morde zu reduzieren. Außerdem hofft die Regierung damit auch die Verkehrssicherheit zu erhöhen und schwere Verkehrsunfälle wie am Sonntag, dem 31. Juli (13 Tote und 30 Verletzte) zu verhindern.

Quelle: El Universal; Bildquelle: IDELCA

Neue Verbrechensstatistiken – ein kleiner Anlass zur Hoffnung?

Mittwoch, 27. Juli 2011

Die monatlichen Mordstatistiken sind aus der Berichterstattung über El Salvador nicht wegzudenken. Trotz des Einsatz des Militärs in Regionen mit besonders viel Gewalt und Massenverhaftungen von Gangmitgliedern Ende Juni bleibt die Zahl der Morde mit 11-12 täglich seit etwa zwei Jahren unverändert hoch. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden 2120 Menschen ermordet, wie eine lokale Zeitung berichtet.

Insight-Organized Crime in the Americas berichtet jüngst über Erfolge bei der Bekämpfung von Entführungen. Nach Angaben der Behörden ging die Zahl der bei der Polizei angezeigten Entführungen in den letzten 12 Monaten gegenüber dem Jahr davor von 77 auf 37 zurück. 80% dieser Fälle wurden gelöst, die Kidnapper konnten verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Die Oberstaatsanwaltschaft sieht dies als Erfolg der Regierungspolitik zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Allerdings gibt Insight zu bedenken, dass viele Entführungsfälle gar nicht angezeigt werden, so dass die Zahlen zu hinterfragen sind.

Insight berichtet in einem anderen Artikel über die geänderte regionale Verteilung der Verbrechenshäufigkeit. Demnach ist nicht die Hauptstadt San Salvador sondern seit 2009 die Provinz Sonsonate die Region mit den meisten Morden. Laut der Zeitung La Prensa Gráfica macht die Polizei Rivalitäten unter Gangs, welche diese Provinz kontrollieren, für die Morde verantwortlich. Oft geht es dabei um die Kontrolle einzelener Häuserblocks. Ein weiterer Grund sei laut Polizei die Entlassung von einigen Gangbossen aus dem Gefängnis.

Eine andere Ursache für den Anstieg der Mordzahlen in der Peripherie der Hauptstadt San Salvador sind die starke Präsenz der Sicherheitskräfte in der Stadt. Das zwingt die Gangs offenbar in weniger stark kontrollierte Gebiete auszuweichen. Das so – Insight – zeigt, dass eine starke Konzentration von Sicherheitskräften das Problem der Gewalt nicht bekämpft sondern möglicherweise nur in andere Regionen verlagert.

Quellen: Insight; Insight; La Prensa Gráfica; Karte: mygeo.info

Sondersteuer für Reiche im Kampf gegen Mafia

Donnerstag, 26. Mai 2011

Mit einer Sondersteuer für die Reichen will der salvadorianische Präsident Mauricio Funes die Gewalt in dem mittelamerikanischen Land bekämpfen. Dadurch könne der Staat 120 Millionen Dollar jährlich zusätzlich einnehmen, argumentierte der Staatschef. Ähnlich wie in Kolumbien, dessen Modell Pate gestanden hat, sollen die 1900 größten Unternehmer und 400 reichsten Privatleute, deren Geschäfte unter der Unsicherheit leiden, zur Kasse gebeten werden. Die Steuerquote in El Salvador gehört zu den niedrigsten der Region und liegt bei knapp 13 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Die katholische Kirche begrüßte die Initiative. Diese sei gerecht und legitim und er könne sie nur unterstützen, sagte der Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar. Er appellierte an die Beteiligten, Gesprächsbereitschaft und guten Willen zu zeigen. El Salvador gehört mit zwölf Morden täglich und einer Rate von 64 Morden pro 100.000 Einwohnern zu den gewalttätigsten Ländern der Welt.

„Die wirtschaftliche Erholung wird dadurch nicht gefährdet, und statt privaten Sicherheitsfirmen das Geld zu geben, bekommt es eben der Staat für die gleiche Aufgabe“, versicherte Funes, der erste linke Präsident El Salvadors. Die Kleinbetriebe und Mittelständler würden nicht zur Kasse gebeten. Die Sondersteuer soll auf drei Jahre befristet sein. Derzeit prüft eine parteiübergreifende Expertenkommission den Vorschlag, bevor er dem Kongress vorgelegt wird.

Die Unternehmer reagierten zurückhaltend auf den Vorschlag. Sie wollten erst mehr Details kennen und wissen, was Funes genau mit den Steuereinnahmen vorhabe, erklärte ein Unternehmerverband. „Die Unsicherheit trifft uns alle, aber Steuererhöhungen sind unpassend“, kritisierte der Vorsitzend der Industrie- und Handelskammer, Luis Cardenal. Er sprach von einer „populistischen Maßnahme“. Das Problem seien nicht die Finanzen, sondern die mangelnde Glaubwürdigkeit der vom Organisierten Verbrechen infiltrierten Polizei.

Quelle: Blickpunkt Lateinamerika

Guatemaltekischer Geldwäscher verhaftet

Samstag, 11. Dezember 2010

Am 10 Dezember verhafteten die salvadorianischen Behörden einen guatemaltekischen Staatsbürger, als er ein Flugzeug Richtung Panama besteigen wollte. Es war offenbar über  La Hachadura eingereist. Bei seiner Verhaftung trug er mehr als 59.000 Dollar in bar mit sich. Der Verhaftete wurde als Miguel Ángel de Jesús Flores Figueroa, 53 identifiziert und wegen des Verdachts auf Geldwäsche festgenommen.

Jetzt ermittelt die Spezialeinheit für Drogenbekämpfung gegen ihn. Laut Polizeiangaben wurden in diesem Jahr schon 16 Personen wegen dieses Delikts verhaftet. Mehr als 2.100 Personen wurden wegen Drogenvergehen festgenommen und insgesamt mehr als 1.000 kg Drogen wurden konfisziert.  Bedenkt man die Millionen Dollar Geldfunde auf einer abgelegenen Plantage vor einigen Wochen, dann wird deutlich, dass es sich bei diesen Verhaftungen nur  um die Spitze des Eisbergs handeln kann. El Salvador gilt seit Jahren als ein wichtiges Transitland für Drogen, wobei immer wieder auch die Armee und deren Einrichtungen damit in Zusammenhang gebracht werden. In den letzten Jahren haben sich auch Beziehungen zwischen dem organisierten Drogenhandel  und den Straßenbanden („maras“) entwickelt.

Quelle: La Prensa Gráfica