Archiv für die Kategorie ‘Sozialpolitik’

Zwanzig Jahre nach den historischen Friedensvereinbarungen fordert die Kirche einen neuen „Sozialpakt“

Freitag, 06. Januar 2012

Die Bilanz sei nach 20 Jahren zwar positiv, doch heute sei „mehr Engagement“ notwendig, so Erzbischof José Luis Escobar von San Salvador, wenige Tage vor dem 20. Jahrstag der historischen Friedensvereinbarungen, die am 16. Januar 1992 in Chapultepec (Mexiko) unterzeichnet wurden. Mit den Friedensvereinbarungen wurde ein 12jähriger Bürgerkrieg beendet.

In einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt, betont der Erzbischof von San Salvador: „Als Kirche haben wir die Friedensvereinbarungen stets gewürdigt. Sie wurden größtenteils umgesetzt und die Bilanz ist positiv. Es ist wichtig, dass wir nicht wieder zum Krieg zurückgekehrt sind und allein deshalb verdient das Land die Anerkennung der ganzen Welt, auch wenn es im Land heute eine neue Phase der Gewalt gibt“.
In diesem Zusammenhang fordert die Kirche heute einen neuen „Sozialpakt“ zur Bekämpfung von Gewalt und Armut in El Salvador. „Wir dürfen nicht denken, dass alles in Ordnung ist“, so der Erzbischof, „Wenn wir eine Bilanz ziehen, dann können wir sagen, dass Fortschritte gemacht wurden, aber wir müssen auch gestehen, dass es bedauerlicher Weise viele Armut und Gewalt gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch heute viele Menschen Opfer der Gewalt werden. Dies ist ein Problem, das wir lösen müssen“.
Abschließend betont der Erzbischof von San Salvador: „Die Feiern zum 20jährigen Jubiläum der Friedensvereinbarungen landen uns dazu ein über die Achtung des Friedens nachzudenken. Doch es besteht auch heute noch eine Schuld gegenüber der Gesellschaft, denn so lange die Situation nicht ganz gelöst ist, wird es in der Gesellschaft auch nicht überall Frieden geben“.
Quelle: Fidesdienst, 4.1.2012

Katholische Kirche schlägt zweites Friedensabkommen vor

Sonntag, 18. Dezember 2011

Die katholische Kirche El Salvadors hat am 10. Dezember eine Neuauflage des Friedensabkommens von 1992 vorgeschlagen, berichtet Blickpunkt Lateiamerika (Adveniat Deutschland). Zum Anlass des 20. Jubiläums der Unterzeichnung des Vertrages zwischen den ehemaligen Rebellen und der Regierung im Januar 2012 will die Institution die Idee des Friedens wiederbeleben. „Der 16. Januar markiert den 20. Jahrestag des Endes des Bürgerkrieges in El Salvador und deswegen möchten wir ein neues Friedensabkommen vorschlagen. Es soll unter dem Motto der Überwindung der Gewalt in unserem Land stehen“, erläuterte der Weihbischof von San Salvador Grogorio Rosa Chavez.

Der Vorschlag war das Ergebnis einer Anhörung des Nationalen Bildungsrats und reagiere nach Angaben der katholischen Kirche auf die weit verbreitete Gewalt in dem zentralamerikanischen Land. El Salvador weist mit 65 Morden pro 100.000 Einwohner eine der höchsten Mordraten weltweit auf. Viele der Gewalttaten werden im Zusammenhang mit Banden verübt, die den Drogen- und Waffenhandel im Land kontrollieren.

Zur Überwindung der Gewalt sei es auch notwendig, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben, so Chavez, um den jungen Menschen Perspektiven außerhalb des Gangmilieus zu schaffen. Die soziale Inklusion der benachteiligten Bevölkerungsgruppe und die Schaffung des Vertrauens in die Polizei seien außerdem wichtig. „Wenn die Menschen sagen, je weiter die Polizei weg ist, desto besser, dann stimmt etwas nicht“ erklärte Chavez.

Quelle: Blickpunkt Lateiamerika

Kinderarbeit soll bis zum Jahr 2020 abgeschafft werden

Donnerstag, 15. September 2011

Der salvadorianische Arbeitsminister Humberto Centenor versichert, dass die Kinderarbeit in El Salvador bis zum Jahr 2020 abgeschafft wird. Dies ist ein sehr ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, dass die Kinderarbeitsquote im Jahr 2011 nur um 0,9% im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, schreibt EarthLink.

In El Salvador arbeiten schätzungsweise 110.000 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren. Die Kinder werden beispielsweise bei der Kaffee- oder Zuckerrohrernte, in der Fischerei oder in Haushalten beschäftigt.

>> gesamten Artikel lesen; Quelle: La Pagina

Kinderschutz kommt kaum voran

Mittwoch, 10. August 2011

Feh­lende staat­liche Mittel und man­gelnder poli­ti­scher Wille ver­hin­dern in El Sal­vador offenbar die Umset­zung eines Gesetzes zum Schutz der Kin­der­rechte, berichtet Edgardo Ayala für ips aus San Salvador. So wurden weder die erfor­der­li­chen Gelder in Höhe von 432 Mil­lionen Dollar zusam­men­ge­bracht, noch die admi­nis­tra­tiven Struk­turen geschaffen, die für eine effek­tive Anwen­dung der neuen Bestim­mungen erfor­der­lich sind.

>> gesamten Artikel in deutscher Übersetzung auf Womblog lesen

Rauchverbot tritt in Kraft

Montag, 08. August 2011

Am 7. August trat in El Salvador ein ziemlich umfassendes Rauchverbot in Kraft. In allen öffentlich zugänglichen Gebäuden herrscht Rauschverbot. Verstöße dagegen werden mit hohen Geldstrafen (bis 6.726 Dollar) geahndet. Das Gesetz konnte erst in Kraft treten, nachdem das Parlament mit 56 von 84 Stimmen ein Veto von Präsident Mauricio Funes  überstimmt hatte. Dieses erfolgte nach offizieller Lesart, um das Parlament auf einige schwer umzusetzbare Bestimmungen aufmerksam zu machen. Bei der FMLN und auch in der Zivilgesellschaft war das Veto nämlich auf Unverständnis und Kritik gestoßen.

Das Gesetz verbietet das Rauchen in öffentlichen Gebäuden aber auch in Büros und anderen Arbeitstätten, in Spitälern, in Schulen, bei Sportveranstaltungen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Werbung und Verkauf von Tabakprodukten werden eingeschränkt. Strafen gegen Verstöße bewegen sich je nach Schwere zwischen 10 und 30 städtischen monatlichen  Mindestlöhnen (224.20 bis 6.726 Dollar). Verkäufern droht die Aussetzung der Konzession für sechs Monate oder gar deren Verlust, sollten sie gegen das Tabakgesetz verstoßen.Besonderen Schutz genießen Jugendliche.

Der Pressesprecher des Präsidenten kündigte für die Woche vom 15. bis zum 19. August einige Reformvorschläge zur besseren Umsetzung des Gesetzes an. El Salvador ist das einzige Land Zentralamerikas, das die Konvention zur Tabakkontrolle der WHO – Convenio Marco para el Control del Tabaco – (Weltgesundheitsorganisation) nicht ratifiziert hat, wie die Panamerikanische Gesundheitsorganisation vor kurzem monierte.

Quelle: EFE; Bildquelle: YSUCA

Konflikte zwischen Funes und der FMLN

Donnerstag, 28. Juli 2011

Zwei  Jahre nach seiner Machtübernahme wachsen die Spannungen zwischen El Salvadors erstem linken Präsident, Mauricio Funes, und der FMLN, die ihn für das Amt aufgestellt hatte, schreibt Edgardo Ayala für IPS unter Berufung auf politische Beobachter in El Salvador.

Funes setzte einige Maßnahmen gegen die die Interessen seiner Wähler von 2009, die ihm damals einen Sieg mit 51% der Stimmen über seinen  rechten Kontrahenten sicherten. Omar Serrano, Vizerektor der Jesuitenuniversität UCA bringt es auf den Punkt: „Funes hat die Erwartungen nicht erfüllt. Ich sehe eine allmähliche Desillusionierung.“ Funes war ein populärer Fernsehmoderator und schloss sich erst der FMLN an, nachdem diese ihn als ihren Kandidaten aufgestellt hatte. Von Anfang war klar, dass es sich hierbei um eine Vernunftehe handelte. Nach drei Niederlagen bei Präsidentschaftswahlen brauchte die FMLN einen Kandidaten, der ein breiteres Spektrum ansprechen kann. Der Plan ging bei den Wahlen auf, aber die FMLN und Funes haben sich seit dem Amtsantritt von Funes im Juni 2009 in ihren Positionen auseinanderentwickelt.

NAch dem Wahlsieg - ein Bild aus besseren Tagen

Nach dem Wahlsieg - ein Bild aus besseren Tagen

Während die FMLN sich stärker am „Sozialismus für das 21. Jahrhundert“  von Venezuelas Staatschef Hugo Chavez orientiert, setzte der Präsident teilweise die neoliberale Politik seiner Vorgänger von der rechtsgerichteten ARENA fort, allerdings verbunden mit Sozialprogrammen für breite Schichten, wie direkte Geldtransfers für die Armen, einen Gesundheitsprogramm für die Gemeinden und die Ausgabe von Gratisschulbüchern und Gratisuniformen für die SchülerInnen. Daher sagten 50% der Befragten bei einer Meinungsumfrage der Universität (IUDOP), dass die Regierung Funes keine signifikanten Änderungen bewirkt hätte.

Die immer engeren Beziehungen Funes‘ zur Geschäftswelt und seine Distanzierungen von den gesellschaftlichen Gruppen, die seinen Wahlkampf unterstützten,  bringt ihm von der Linken harsche Kritik aber durchaus zustimmenden Applaus von der rechten Seite. Besonders umstritten war die Weigerung von Funes, einen Gesetzesantrag der FMLN zur Abschaffung der fixen Telefonfestnetzgebühr  (9,42 Dollar monatlich) zu unterstützen. Funes rechtfertigte seine Position damit, dass dies ausländische Investoren abschrecken würde. Die Gebühr bringt jährlich 120 Mio . Dollar in die Kassen der Telefonbetreiber. Eine Gesellschaft, die davon am meisten profitiert, ist das CTE Telekom Konsortium des mexikanischen Magnaten Carlos Slim, der schon während des Wahlkampfes zu Gesprächen über Investitionen mit Funes in El Salvador war und ihn seiner Unterstützung versicherte.  Für UCA-Vizerektor Serrano war „der Konflikt, in dem Funes sich hinter die Telekom-Unternehmen stellte, eines der ersten Anzeichen dafür, in welche Richtung er sich bewegen würde“.

Auch das Gesetz über eine Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen, das vom Parlament mehrheitlich beschlossen wurden und breite Unterstützung hat, wurde vom Präsidenten zunächst nicht unterschrieben, offenbar, weil es von ausländlichen Konzernen wie British American Tobacco großen Widerstand dagegen gab. Präsident Funes begründete seine Ablehnung des Gesetzes mit Verweis auf die persönliche Freiheit und dem Schaden für die Tabakindustrie. In einer Stellungnahme an das Parlament schrieb Funes von „besseren Möglichkeiten im Umgang mit den negativen Folgen des Tabakkonsums, ohne ein generelles Rauchverbot einzuführen“.  Am 21. Juli gelang es allerdings, das Veto von Funes durch einen Mehrheitsbeschluss des Parlaments außer Kraft zu setzen. FMLN und ARENA – einst Feinde im Krieg zwischen 1980 und 1992 – stimmten gemeinsam mit den kleineren Parteien erneut für ein Rauchverbot.

Margarita Posada, Direktorin von  APROCSAL (Vereinigung von SozialarbeiterInnen auf Gemeindeebene) meint dazu: „Für den Präsidenten sind die Interessen der transnationalen Konzerne wichtiger als die der Mehrheit der Bevölkerung.“  Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) zeigte sich schon 2009 in einem Bericht besorgt über Ausmaß des Tabakkonsums in El Salvador. Demnach haben 27 der Jugendlichen zwischen 13 und 15 schon einmal geraucht, fast die Hälfte dieser Gruppe hatte ihre erste Zigarette vor dem 10. Geburtstag geraucht.

Margarita Posada räumt jedoch ein, dass die Regierung versucht, soziale Reformen durchzuführen, wie das ehrgeizige Gesundheitsprojekt mit Gesundheitsteams für die Familien. Dank dieses Programms kommen jetzt erstmals Ärzte und Krankenschwestern auch in die abgelegensten Dörfer des Landes. Der Schwerpunkt liegt auf Prävention und Gemeinde orientierter Gesundheitsversorgung unter Berücksichtigung von Hygiene, Wohnen und Ernährung.

Die Regierung Funes hat 2010 460 Mio. Dollar für Sozialprojekte ausgegeben und wird 2010 insgesamt 800 Mio. Dollar dafür ausschütten. Trotz der Wirtschaftskrise verdoppelte die Regierung nach Angaben der stellvertretenden Gesundheitsministerin Violeta Menjívar die Ausgaben die Gesundheitsausgaben. Dazu kommen Unterstützungen für Kleinbauernfamilien, die Gratissaatgut und Düngemittel bekamen und dazu noch Beratung und billige Kleinkredite. Dank Pensionszahlungen für viele ältere Menschen verfügen jetzt tausende Menschen über ein kleines Einkommen.

In einem Interview mit der mexikanischen Zeitung La Jornada stellte Funes vor kurzem fest, dass er sowohl von links wie auch von rechts angegriffen werde. „Mir ist bewusst, dass die Menschen enttäuscht sein werden. Ich hatte nie Illusionen, ich wusste, ich kann die langfristigen Erwartungen der Menschen nicht erfüllen.“ Weiter meinte Funes: „Ich kann verstehen, dass die Gewerkschaften frustriert sind, ich verstehe die Frustration der LehrerInnen, mit denen wir eine Gehaltserhöhung ausgehandelt haben, die wir so nicht auszahlen können. Das Problem ist, dass ich nicht genügend Mittel habe, um die Spitäler und die Lebensbedingungen so vieler Menschen zu verbessern.“ Aber, so Funes weiter „trotz alle dem hat sich El Salvador verändert“.

Demonstration der Lehrergewerkschaft

Demonstration der Lehrergewerkschaft

Die ständigen Auseinandersetzungen mit der FMLN schwächen allerdings seine Position. Rückschauend räumt Funes ein, dass er von Anfang an einen „Sozialpakt“ hätte schließen müssen. Das scheiterte aber an den Auseinandersetzungen mit der FMLN. „Es erfordert  viel Aufrichtigkeit einzugestehen, dass einige der alten Utopien in El Salvador nicht zu verwirklichen sind, bedenkt man den Zustand des Landes bei Übernahme der Regierung.“

Quelle: ips; La Jornada; Bildquellen: nydailynews; noticerostelevisa

Zwei Jahre Funes

Donnerstag, 02. Juni 2011

Durchwachsen ist die Bilanz der Regierung Funes, die heute vor zwei Jahren – begleitet von großen Erwartungen einer im Wahlkampf versprochenen Wende – als erster linker Politiker das Präsidentenamt übernahm. Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheit der Befragten sie Sozialpolitik der Regierung Funes schätzt, gleichzeitig werden aber das geringe Wirtschaftswachstum und die anhaltende Unsicherheit und Kriminalität im Land der Regierung negativ angelastet. Folgerichtig erhält Funes für seine Amtsführung jetzt schlechtere „Noten“ als noch vor einem Jahr, nämlich 6,16 verglichen mit 6,78 Punkte (auf einer Zehnerskala). Die sinkenden Werte entsprechen ziemlich genau der Entwicklung bei Funes Vorgänger Antonio Saca.

Funes übernahm im Juni 2009 das Land und die Regierungsverantwortung in einer äußersten schwierigen Lage. Das Land litt schwer unter den Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise und war 20 Jahre lang von der rechtsgerichteten ARENA-Partei regiert worden, die dem neuen Präsidenten ein schweres Erbe hinterließ.

Funes setzte in dieser Situation auf die Fortsetzung der guten Beziehungen mit den USA, wo mehr als 2 Mio. Salvadorianer leben und arbeiten. Mit ihren Geldtransfers („remesas“) tragen sie wesentlich zur salvadorianischen Wirtschaft bei. Hohen Stellenwert räumte die Regierung von Anfang an (längst überfälligen) sozialpolitischen Reformen an, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Armen abzumildern. So erhalten jetzt mehr als 377.000 SchülerInnen von öffentlichen Schulen eine kostenlose Mahlzeit, Schulsachen, Schuluniformen und Schuhe. Ein kostenloser Gesundheitsdienst wurde geschaffen. Der Plan de Agricultura Familiar verschafft Kleinbauern Zugang zu günstigen Krediten, Versicherungen, technischer Unterstützung, Saatgut und Dünger, um deren Produktivität zu verbessern.

Die jüngsten Umfragen zeigen, dass sie Mehrheit der Befragten dieses sozialpolitischen Maßnahmen ausdrücklich anerkennt. Allerdings machen viele den Präsidenten für die langsame wirtschaftliche Erholung und die mangelnden Erfolge bei der Bekämpfung von Gewalt und Kriminalität im Land verantwortlich. Für 2011 ist ein Wirtschaftswachstum von 2,5% prognostiziert (verglichen mit einem Rückgang von 3,1% im Jahr 2009). Die Zahl der Fälle schwerer Erpressung konnte um 28% gesenkt werden, auch die Zahl der täglichen Morde ist leicht rückläufig, liegt aber noch immer bei erschreckenden 11.

Am 1. Juni präsentierte Funes vor der Nationalversammlung, in der die linke FMLN, die ehemalige Guerilla, die sich 1992 in eine politische Partei wandelte, die Mehrheit hat, seine Bilanz von zwei Jahren Regierung. Die FMLN hat einer Presseerklärung vorab ihre Entschlossenheit bekräftigt, ihre Politik für die am meisten benachteiligten Sektoren der Gesellschaft fortzusetzen.

Funes kündigte bei seiner großen Rede vor der Nationalversammlung einen nationalen Dialog für Produktivität und Frieden sowie einer Umbildung seiner Regierung an.

Quelle: Americas Quarterly; Foto: La Prensa Grafíca

Versorgung mit Grundnahrungsmitteln weiter prekär

Samstag, 26. Februar 2011

Anfang Februar berichtete die salvadorianische Tageszeitung El Mundo von gravierenden Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, allen voran den (roten) Bohnen, die  für die Armen der wichtigste Eiweißlieferant sind und ohne die eine Mahlzeit nicht denkbar ist. 2010 ist der Preis für Bohnen von $0.52 auf  $1.24 Pro Pfund gestiegen, was einer Steigerung von 138% entspricht. Gleichzeitig ist auch der Preis für Mais – Basis für die Tortillas (Maisfladen) – gestiegen, wenn auch weniger stark.

Die Konsumentenschützer kritisieren diesen Preisanstieg heftig, weil die wichtigsten Grundnahrungsmittel damit vor allem für die Ärmsten unerschwinglich werden.Als Grund für die Preissteigerung gelten die Ernteausfälle als Folge der schweren Regenfälle im Vorjahr.

Anfang Februar gab die Regierung bekannt, dass 90 Mio. Quintales  Bohnen aus China importiert wurden, um eine  Nahrungsmittelkrise zu entschärfen. Die Kosten dafür belaufen sich auf $ 5 Mio. Normalerweise ist Nicaragua ein wichtiger Lieferant von Bohnen. Die chinesischen Bohnen sind zwar von anderer Qualität, schmecken angeblich aber auch sehr gut. Um die Lage auf dem Markt zu entspannen, wurde mit der Ausgabe von Bohnen zu einem Preis von $0,75 (statt der $1,25 am Markt) pro Pfund begonnen.

Quellen: El Mundo; Contrapunto; Diagramm: El Mundo

Wegen Arbeitsbedingungen in El Salvador: Vorwürfe gegen Zulieferer von adidas und Puma

Samstag, 29. Januar 2011

Für die beiden größten deutschen Sportartikelhersteller adidas und Puma müssen Arbeiterinnen in El Salvador nach Informationen des “Spiegels” offenbar unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Das Hamburger Nachrichtenmagazin beruft sich auf eine Studie der US-Organisation National Labor Committee: Demzufolge waren beim Zulieferer Ocean Sky Wochenschichten von über 60 Stunden Normalität.

Die rund 1.500 Beschäftigten hätten bei rund 37 Grad Celsius unter Kameraüberwachung im Akkord produzieren müssen – so etwa Trikots für Puma und die adidas-Tochter Reebok. Die Löhne seien unzureichend, Überstunden müssten geleistet werden, so der Bericht.

Beschwerden über ungenießbares Trinkwasser hätten zu Entlassungen geführt, zitierte der “Spiegel” weiter aus dem Bericht. adidas und Puma hätten jedoch beide zugegeben, dass bei Ocean Sky bereits im vergangenen Jahr Regelverstöße festgestellt wurden. Ocean Sky selbst habe nicht auf Anfragen reagiert. adidas und Puma wollten die Zustände nun vor Ort prüfen, schreibt das Magazin.

Quelle: dapd

>> Bericht des National Labor Committee

UNDP für neues Entwicklungsmodell

Dienstag, 18. Januar 2011

Seit 60 Jahren hat El Salvador mit mehreren Entwicklungsmodellen experimentiert, von denen keines die gewünschten Ergebnisse brachte.  Das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) schlägt daher in seinem neuen Bericht zur menschlichen Entwicklung die Einführung eines Modells vor, das das Wohlergehen des Volkes als oberstes Ziel hat.

Laut diesem Bericht  kann sich das Land nicht entwickeln und wird weiterhin nur mittelmäßige Leistungen erbringen, wenn es nicht mit dem gegenwärtigen Modell bricht. Die Studie mit dem Titel “De la pobreza y el consumismo al bienestar de la gente. Propuestas para un nuevo modelo de desarrollo” zeigt klar auf, dass alle Wirtschaftsmodelle seit mehr als 60 Jahren Mängel aufwiesen.  William Pleitez, der Verantwortliche für den Bericht kritisiert, dass jedes dieser Modelle (Agroexporte, Importsubstitution durch Industrialisierung, Förderung der Exporte und Auslandsinvestitionen) immer von den niedrigen Löhnen der Arbeiter als dem wichtigsten Bonus des Landes auf den internationalen Märkten ausgingen und damit die Unterbeschäftigung zur vorherrschenden Form der Subsistenz der Mehrheit der Bevölkerung machten.

Derzeit ist mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung (44,3%) ist unterbeschäftigt oder arbeitslos (7,3%). Dieses fundmentale Defizit ist eng verbunden mit zwei grundlegenden Phänomenen: eine schwachen Makroökonomie und der eienr subsidiärrne Solzialpolitik.

Laut Studie wuchs die Wirtschaft zwischen 1960 und 2009 im Jahresschnitt nur um 2,76% und damit weniger als in allen anderen Ländern Zentralamerikas außer Nicaragua. Das Bruttoinlandsprodukt nahm im Schnitt um 1,1% jährlich zu. Bei so einer geringen Wachstumsrate braucht das Land 29 Jahre, um das derzeitige  Prokopfeinkommen Costa Ricas zu erreichen.

Spar- und Investitionsquote sind wegen der hohen Konsumbereitschaft gering. In den letzten Jahren konsumierte das Land mehr als es produzierte, z.B. 2009 wurden für 100 Dollar, die produziert wurden, waren und Dienstleistungen im Wert von 102,4 Dollar konsumiert. In diesem Ranking nimmt El Salvador den dritten Platz in der Welt ein.

Staatliche Unterstützungsgelder haben einen Umverteilungseffekt zugunsten der Ärmsten.

Die 10% Ärmsten bekommen zusammen nur 6,2% der staatlichen Transferleistungen (Subventionen der öffentlichen Verkehrs, der Strom- und Gaspreise), während die 10% Reichsten insgesamt 11,2% der Transferleistungen lukrieren.

Für die Entwicklung eines neuen Modells bedeutet das eine breite Sozialpolitik um mehr Wohlstand in der Gesellschaft zu schaffen, um die Ärmsten aus der Unterentwicklung zu bringen. Die UNDP sieht trotz mancher Skepsis Mittel  für eine solche Sozialpolitik. Wichtig wäre es die Spar- und Investitionsquote, die Wettbewerbsfähigkeit, das Wachstum und die Beschäftigung zu steigern. Das ist allerdings nur längerfristig zu erreichen, vor allem weil nach wie vor die Bevölkerung wächst, was bedeutet, dass in den nächsten 20 Jahren 730.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Das ist noch wenig, wenn man bedenkt, dass man für 1,3 Mio. ArbeiterInnen  Zugang zu Sozialsystemen schaffen und gleichzeitig Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung bekämpfen müsste.

Quelle: Contrapunto; Foto: Contrapunto