Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

Wandmosaik von Kathedrale entfernt

Montag, 02. Januar 2012

Ohne Vorankündigung und Behördenbewilligung ließen die Verantwortlichen des Erzbistums von San Salvador Ende Dezember ein Wandmosaik des bekannten salvadorianischen Künstlers Fernando Llort vom der Fassade der Kathedrale entfernen. Llort schuf das Wandmosaik 1997 als Hommage an die Friedensverträge von 1992 und bezeichnet es auf seiner Homepage als sein wichtigstes Werk. Das farbenfreudige Mosaik prägte seitdem das Erscheinungsbild der Kathedrale.  Gerüchte, wonach es durch ein Motiv des Salvador Mundo (Patron El Salvadors) ersetzt werden soll, wurden von Erzbischof José Luis Escobar Alas inzwischen dementiert.

Die Familie des Künstlers reagierte geschockt. Sein Sohn versuchte noch Stücke des Mosaiks zu retten. El Salvadors Regierung verurteilte die Zerstörung des Mosaiks als Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz, da sie bereits Schritte eingeleitet hatte, das Mural zu einem nationalen Kulturerbe zu erklären und unter besonderen Schutz zu stellen.

Die Entfernung des Kunstwerks stieß in der Öffentlichkeit weitgehend auf Unverständnis und Ablehnung. Journalisten warteten zunächst vergeblich auf eine Stellungnahme bzw. Interview seitens der Verantwortlichen der Kathedrale. Llort ist der bekannteste Künstler aus La Palma und prägte mit seinen charakteristischen Darstellungen die dortigen Künstlerwerkstätten, die weit über El Salvador hinaus für ihr Kunsthandwerk – meist auf Holz – bekannt wurden. Der Historiker Carlos Cañas Dinarte forderte die bildenden Künstler  El Salvadors auf aus den Resten des zerstörten Mosaiks Installationen zu Ehren Llorts anzufertigen.

Angesichts der massiven Kritik entschuldigte sich Erzbisch Escobar Alas am 1. Jänner bei der Familie des Künstlers und räumte ein, es sei ein Fehler dewesen, sie nicht vorab zu informieren. Als Begründung für die Zerstörung des Mosaiks gab er irreparable Schäden an.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog, La Pagina; El Diario de Hoy

Calabiuza: Halloween auf salvadorianisch

Mittwoch, 02. November 2011

Wie jedes Jahr feierte Tonacatepeque (nördlich der Hauptstadt San Salvador) auch heuer wieder das Fest Calabiuza, eine Art Halloweenfest auf salvadorianisch. Es gibt einen Umzug von Maskierten. Ausgangspunkt ist der Friedhof der Stadt. Die Charaktere sind eng mit der Mythologie von Tod und Sterben verknüpft. Inzwischen sind die Feiern zu einem Anziehungspunkt von Besuchern und zu einem Medienereignis geworden.  Die besten Masken werden von der Stadtverwaltung prämiert. Die Zeitung El Diario de Hoy dokumentierte den Umzug in einem Videoclip.

>> Videoclip ansehen

Quelle: El Diario de Hoy

Chanchona – Musik aus dem Osten El Salvadors

Sonntag, 18. September 2011

Chanchona ist Musik aus dem Osten El Salvadors. Zum Einsatz kommen Violinen und ein Bass. Gespielt wird sie u.a. von der Gruppe Los Hermanos Lovo, von der jetzt auch eine CD erschienen ist.

Chanchona wird in den  ländlichen Regionen der Provinzen Morazan, La Union und San Miguel gespielt. Der Name “Chanchona” bedeutet wörtlich “Sau” und ist der Spitzname für den Bass. Viele Gruppen rekrutieren sich aus Familienverbänden, die Musik wird von Generation zu Generation weitergetragen. Die Wurzeln reichen möglicherweise in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück. In den 50er und 60er Jahren verbreitete das Radio dann die kolmbianische Cumbiamusik. Chanchona griff den Rhythmus der Cumbia auf.

Dass der fröhliche Geist der Chanchonamusik den Bürgerkrieg überdauerte, ist bemerkenswert. Noch heute versprüht sie Freude und gute Partystimmung. Ein Musiker erklärt das so: Sogar während der schlimmsten Zeiten des Krieges gab es besondere Momente des Friedens, als die Msuik eine Brücke zwischen den verfeindeten Gruppen schuf. wie ein DJ von San Miguel berichtet. Einmal gab es ein Fest, und viele Leute bemerkten gar nicht, dass auch Leute von Guerilla zum Feiern gekommen waren, obwohl auch Armeeangehörige da waren. Alle hatten viel Spaß.

Mit den vielen Flüchtlingen kam Chachona auch in die USA, wo sich Los Hermonos Lovo in der Nähe von Wahsington niederließen. Ihr Lied “Soy Salvadoreno” ist eine Hommage an das Land ihrer Herkunft, auf das mit Wehmut zurückschauen.

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Feuriges Schauspiel in Nejapa

Dienstag, 06. September 2011

In Nejapa wird der Ferienbeginn Ende August traditional “feurig” gefeiert. “Las Bolas de Fuego” heißt das Spektakel, bei dem sich zwei Teams bei einem Umzug in den Straßen gegenseitig mti benzingetränkten Feuerbällen bewerfen. Die Teilnehmer schützen sich mit nasser Kleidung vor Verletzungen. Die Tradition geht auf das Jahr 1658 zurück, als die Bewohner von Nejapa einen ausbrechenden Vulkan mit “Feuerbällen” bewarfen.

Quelle: 20minuten.ch; Video: Youtube

Geschichte, Natur und Traditionen

Mittwoch, 17. August 2011

Die Online-Zeitung El Faro veröffentlicht immer wieder Fotoalben. Das jüngste davon versucht ein anderes Bild des Landes zu vermitteln, ein Bild, das Kultur, Schönheit und Lebensfreude des kleinsten mittelamerikanischen Landes zeigt. Diese Seite El Salvadors wird in der Berichterstattung nur allzu oft von Gewalt, Armut und poltischen Konflikten überlagert.

Kinderprogramm im Museo de Arte

Kinderprogramm im Museo de Arte

Quelle: El Faro

Feiern des Stadtpatrons Divino Salvador Del Mundo

Samstag, 06. August 2011

La Prensa Gráfica veröffentlichte einen Videoclip zu den Augustfeiern.

Auf Youtube gibt es noch ein weiteres Video zur diesjährigen Prozession zu Ehren des Divino Salvador Del Mundo.

Mehr als 20.000 Polizisten für Sicherheit bei Augustfeiern

Montag, 01. August 2011

In der ersten Augustwoche feiert El Salvadors Hauptstadt San Salvador traditionell ihren Stadtpatron Divino Salvador Mundo. In dieser Woche gibt es zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten und Veranstaltungen. Angesichts der weit verbreiteten Unsicherheit und Kriminalität bietet die Polizei (PNC) heuer mehr als 20.000 Polizisten auf, welche in Touristenzentren, bei religiösen und kulturellen Veranstaltungen für die Sicherheit der Besucher sorgen sollen. Da Schulen und viele Unternehmen in dieser Woche Urlaub bzw. Ferien haben, gibt es üblicherweise großen Zulauf zu diesen Veranstaltungen. Einer der Höhepunkte ist eine Prozession zum Denkmal des Divino Salvador Mundo.

Die Polzei plant verstärkt Patrouillen in allen Einkaufszentren und -straßen, bei Veranstaltungen, Proessionen und religiösen Zeremonien. Darüber hinaus werden Zentren touristischen Interesses im ganzes Land verstärkt überwacht, teilt die Polizei mit.

Quelle: ContraPunto ; Bildquelle: ImageShack

Fiesta Julias in Santa Ana

Mittwoch, 06. Juli 2011

Vom 17. bis 26. Juli feiert El Salvadors zweitgrößte Stadt Santa Ana (im Westen des Landes gelegen) ein farbenfrohes Fest für seine Stadtpatronin, Señora Santa Ana. Populärstes Ereignis der mehrtägigen Veranstaltung ist die Wahl der Festkönigin nach dem Muster von Misswahlen. Die Fiestas Julias sind eine wichtige Touristenattraktion, bieten aber auch für Einheimische eine Fülle von Aktivitäten, wie das Video über die Fiestas Julias von 2009 zeigt. Am letzten Tag wird eine Statue der heiligen Anna durch die ganze Stadt getragen.

Quelle: Youtube; Wikipedia

Neuer Dokumentarfilm: El Lugar más pequeño

Mittwoch, 22. Juni 2011

Beim Los Angeles Film Festival wurde der erste Dokumentarfilm von Spielfilmlänge (109 Minuten) der salvadorianischen Filmemacherin Tatiana Huezo Sánchez präsentiert. Huezo Sánchez wurde in El Salvador geboren, wuchs aber in Mexiko auf. Sie verbrachte für den Film zwei Monate in Cinquera, dem Dorf ihrer Großmutter. Während des Bürgerkriegs war Cinquera ein Geisterdorf. Als die Bewohner zurückkehren, beginnen sie damit die Knochen und sterblichen Überreste der Guerilleros und Nationalgardisten wegzukarren – die Überreste der Feinde waren vermischt.

Schön langsam finden die Rückkehrer neuen Lebenssinn in dem Land, das sie bewirtschaften aber nie ihr Eigen nannten. Sie erinnern sich an die Grausamkeiten und den Terror des Krieges, aber auch an die Entscheidungen, die sie trafen. Menschen, die damals Kleinkinder waren, mussten miransiehen, wie ihre Mütter geschlagen und vergewaltigt wurden, dann gab es Jugendliche, die sich der Guerilla anschlossen, Familien, die sich in kleinen Höhlen monatelang versteckten.

Langsam wird klar, dass neben Traumatisierung und Alpträumen die Einsicht Platz greift, dass ein “Volk mit Erinnerung an die Vergangenheit schwerer zu unterdrücken ist”. So wird die vorliegende Dokumentation zu einer Hommage an den Willen zum Leben.

Regie: Tatiana Huezo Sánchez
Produzent: Nicolás Celis
Musik: Leonardo Heiblum, Jacobo Lieberman
Vertrieb: Centro de Capacitación Cinematográfica

Quelle: Hollywood Reporter

Literatur und Revolution: Am Beispiel Roque Dalton

Mittwoch, 11. Mai 2011

Roque Dalton (1935-1975) ist der wichtigste Dichter El Salvadors, der Bertolt Brecht oder Jura Soyfer Mittelamerikas, sein Leben ein Abenteuerroman, seine Dichtung der britzelnde Funkenschlag zwischen politischer Utopie und Sinnlichkeit, zwischen revolutionärer Überzeugung und Lust am Ketzertum.
Von den Diktaturen seines Landes wegen subversiver Tätigkeit zum Tode verurteilt, gelang es ihm zweimal, seiner Hinrichtung zu entkommen. Das erste Mal wurde der Diktator Lemus gestürzt und es gab eine Amnestie, das zweite Mal riss ein Erdbeben ein Loch in die Mauer der Gefängniszelle, durch das sich Dalton in die Freiheit graben konnte.
Er lebte in Mexiko, Prag, die längste Zeit in Kuba im Exil, er bereiste ganz Lateinamerika, Europa (auch Wien), China, Vietnam und Korea. Er half mit, eine der ersten Guerillaorganisationen seines Landes auf die Beine zu stellen, die Revolutionäre Volksarmee (ERP), und wurde von einer militaristischen Fraktion seiner eigenen Organisation unter bis heute nicht geklärten Umständen ermordet.
Dalton war Pionier einer linken Geschichtsschreibung und Kulturforschung seines Landes, er machte emphatisch Gebrauch von „Guanakismen“ (salvadorianischen Varianten des Spanischen) und integrierte als erster Dichter Mittelamerikas die Sprache der Straßen und Spelunken, Bordelle und Gefängnisse in seine Dichtung. Er beschoß eine sich globalisierende Popkultur mit antikapitalistischen Pointen und kritisierte politische Befreiungskonzepte mit der fein geschliffenen Machete seines Witzes. Sein Leben und Werk steht – exemplarischer noch als das Che Guevaras – für den Versuch, neokoloniale und imperialistische Unterdrückungsstrukturen mit literarischen und politischen Mitteln zu bekämpfen, aber auch für die Widersprüche und Konflikte, in die man dabei geraten kann.
Unsere Veranstaltung soll diesem Mann ein Denkmal setzen, allerdings eines, das über sich selbst nachdenkt, sozusagen über den eigenen Sockel stolpert und sich dabei über Denkmalsetzungen, Kanonisierungen, säkuläre Heiligsprechungen so lustig macht, wie Roque Dalton das sicherlich getan hätte. In einer Zeit, in der es üblich geworden ist zu behaupten, daß mit dem Ende der totalitären Staatssozialismen utopisches Denken, revolutionäres Handeln und politisch motivierte Literatur überhaupt obsolet geworden sind, geht es uns aber auch darum, Möglichkeiten und Hindernisse eingreifenden, operativen Schreibens zu erörtern. Zu diesem Anlaß haben wir neben dem Filmemacher Jorge Dalton, dem jüngsten Sohn des Dichters, drei Autoren eingeladen, die sich mit ganz unterschiedlichen Mitteln und in ganz unterschiedlichen Formen einer Literatur verschrieben haben, die auf eine radikale gesellschaftliche Veränderung abzielt, jedenfalls auf die Verständigung über gemeinsame Lebensprobleme abzielt: die in Berlin lebende Schriftstellerin Kathrin Röggla, ihre Kollegin Belén Gopegui aus Madrid und den aus El Salvador stammenden Romancier Horacio Castellanos Moya.

11.05.2011 19:00h
Alte Schmiede

Quelle: esel