Zu Tode geschuftet für den Biosprit

15. Februar 2012

Zuckerrohrschneider in Mittelamerika sterben zu Tausenden an rätselhaftem Nierenversagen – Wissenschafter tippen auf zu schwere Arbeit, zu wenig Wasser und die Praktiken großer Agrarkonzerne, berichtet Sandra Weiss für den Standard.

In El Salvador ist Nierenversagen die zweithäufigste Todesursache bei Männern. In Nicaragua sterben mehr an Nierenversagen als an Aids und Diabetes zusammen. 24.000 Tote waren es in den vergangenen zehn Jahren in Nicaragua und El Salvador.

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Wahlkampf für die Gemeindewahlen offiziell eröffnet

12. Februar 2012

Genau zwei Monate vor den Wahlen beginnt in El Salvador offiziell der Wahlkampf auch in den Gemeinden, wo die Bürgermeister zur Wahl stehen. Für die Parlamentswahlen wird schon seit dem 10. Jänner um die Wählergunst geworben. Auch auf Gemeindeebene bewerben sich insgesamt acht Parteien.

In San Salvador geht der Sohn eines der Gründer der FMLN, Schafik Handal ins Rennen gegen Bürgermeister Norman Quijano von der rechten ARENA-Partei. Während Quijano zum Auftakt des Wahlkampfs eine Messe besuchte, veranstaltete die FMLN eine Versammlung von Parteigängern auf der Plaza de las Américas. Handal werden von Experten allerdings nur geringe Chancen eingeräumt. In Meinungsumfragen liegt er weit abgeschlagen. In den jüngsten Umfragen liegt ARENA auch für die Parlamentswahlen voran.

Laut dem Vertreter des Obersten Wahlgerichts TSE Eduardo Urquilla wird die Organisation amerikanischer Staaten OAS Wahlbeobachter entsenden.

Von den 19 unabhängigen Kandidaten, die sich nach dem neuen Wahlrecht beworben hatten, wurden nur fünf vom TSE autorisiert, zwei für San Salvador, je einer für die Departments La Unión, Chalatenango  und Ahuachapán.

Quelle:  La Prensa Nicaragua; Bildquelle: FMLN

“Ich empfand eine unbändige Wut”

12. Februar 2012

Anlässlich des 20. Jahrestages der Unterzeichnung der Friedensverträge entschuldigte sich El Salvadors Präsident Mauricio Funes bei den Anghörigen der Opfer des Massakers von El Mozote. Der Deutsch-Salvadorianer Paolo Luers, der im Bürgerkrieg in der FMLN-Guerilla aktiv war, berichtet im Standard vom 10. Februar über dieses Massaker und verlangt, dass sich auch die ehemalige Guerillabewegung FMLN (Frente Farabundo Martí de la Liberación Nacional) ihrer Vergangenheit stellt und verweist dabei z.B. auf die Ermordung des Dichters Roque Dalton durch seine eigene (linke) Gruppierung.

Am 10. Dezember 1981 drangen Angehörige einer Eliteeinheit der salvadorianischen Armee in das Dorf El Mozote vor. Das Bataillon Atlacatl unter dem Kommando General Domingo Monterrosas trennte am Morgen des nächsten Tages Männer von Frauen und Kindern. Nach der Einvernahme töteten die Soldaten alle Dorfbewohner und zahlreiche Flüchtlinge, zehnjährige Mädchen wurden vergewaltigt, die Kirche, in der die Kinder eingesperrt waren, mit automatischen Waffen beschossen.

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Wahlen im März: neue Regelungen

12. Februar 2012

Am 11. März werden in El Salvador die Bürgermeister und die Abgeordneten zum Parlament gewählt. Auf Grund höchstgerichtlicher Entscheide mussten einige Bestimmungen des Wahlrechts geändert werden. Erstmals dürfen (von einer Partei) unabhängige KandidatInnen antreten. Auch können jetzt die WählerInnen ihre Präferenz für eine/n oder mehrere KandidatInnen einer Partei zum Ausdruck bringen.

Je nach Einwohnerzahl wählt jedes Department eine bestimmte Zahl von Abgeordneten. San Salvador zum Beispiel wählt 25 der 84 Abgeordneten, das dünn besiedelte San Miguel nur 6. Die Wahlzahl wird durch Division der abgegebenen Stimmen duch die Zahl der jeweiligen Mandate ermittelt und die Mandate proportional vergeben. Bisher entscheiden die Parteien bei Erstellung der Wahllisten, wer die größeren Chancen auf ein Mandat hat. Durch Vorzugsstimmen haben jetzt auch KandidatInnen von hinteren Listenplätzen gewisse Chancen. Kritiker sagen allerdings, dass der Einfluss der Parteien noch immer sehr groß ist.

Diese neuen Regelungen erfordern auch eine Neugestaltung der Stimmzettel und wohl auch mehr Zeit bei Auszählung der Stimmen, da jeweils genau geprüft werden muss, ob die Stimme denn auch gültig ist.

Die wichtigste Neuerung ist die Ausweitung der Möglichkeit, nahe des Wohnortes wählen zu können. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten haben bei den Wahlen im März diese Chance, weil dieses Prinzip jetzt in neun der 14 Departments gilt, nämlich in Cuscatlán, Cabanas, Usulután, San Miguel, La Paz, San Vicente, La Union, Morazán, Chalatenango sowie inden Städten San Salvador und Santa Tecla. In ländlichen Gebieten wird es mehr wohnortnahe Wahllokale geben, in den Städten können die WählerInnen in ihren Stadtvierteln wählen statt wie bisher in einem Wahllokal, dem sie aufgrund ihres Familiennamens alphabetisch zugewiesen wurden.

Bei der Erprobung dieses Systems bei den Wahlen von 2009 in Cuscatlán war die Wahlbeteiligung sowohl bei den Parlaments- wie den Präsidentenwahlen signifikant höher. Vor allem ältere Menschen aber auch ärmere Schichten, die sich die Transportkosten zu weit entfernten Wahllokalen nicht leisten können, haben jetzt mehr Anreiz und Möglichkeiten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wohnortnahe Wahllokale sind auch weniger anfällig für Wahlfälschungen, weil dort die soziale Kontrolle höher ist. Das Oberste Wahlgericht (TSE) informiert über das Internet, wo das zuständige Wahllokal ist. Für alle, die keinen Zugang dazu haben, liegt es an den lokalen Behörden für die entsprechende Information der WählerInnen zu sorgen. Bei den Präsidentenwahlen von 2014 sollen die WählerInnen im ganzen Land in ihren Wohnorten wählen können.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog; TSE (Oberstes Wahlgericht)

Spanien will Auslieferung

14. Januar 2012
Wegen der Tötung von sechs Jesuiten und zwei weiteren Menschen während des Bürgerkriegs hat die spanische Regierung die Auslieferung von 13 ehemaligen Offizieren aus El Salvador beantragt. Fünf der getöteten Priester waren Spanier. Im vergangenen Jahr hatte der Oberste Gerichtshof in El Salvador die Verhaftung der Verdächtigen abgelehnt, da kein Auslieferungsantrag gestellt worden war. Nun werde das Gesuch dem Gerichtshof erneut vorgelegt, kündigte Außenminister Hugo Martinez am Donnerstag an.
Quelle: Junge Welt

Verfahren gegen die Mörder des Dichters Roque Dalton eingestellt

10. Januar 2012

Ein Gericht in San Salvador stellte am 9. Jänner das Verfahren gegen die mutmaßlichen Mörder des Dichters Roque Dalton ein. Der Revolutionär Dalton – El Salvadors wichtigster Dichter des 20. Jahrhunderts – wurde 1975 von führenden Mitgliedern seiner Guerillaorganisation hingerichtet.

Der Richter begründete seine Entscheidung mit der Verjährung des Verbrechens. Des Mordes beschuldigt sind Joaquin Villalobos, eine prominenter Ex-Kommandant der FMLN und Jorge Melendez, der derzeit als Chef des Zivilschutzes fungiert. Während Melendez jede Schuld zurückwies, gab Villalobos zu, dass einige Guerillaführer den Mord anordneten, nachdem Dalton beschuldigt worden war, ein Verräter und CIA-Agent zu sein.

Ein Gerichtsverfahren gegen die Mörder Daltons wird seit Jahren von seinen beiden Söhnen angestrengt. Sie brachten den Fall auch vor die Interamerikanischen Menschenrechtskommission. Unterstützt werden sie dabei unter anderem vom Menschenrechtsinstitut der Jesuitenuniversität. Daltons Söhne führen ins Treffen, dass es sich beim Mord an ihrem Vater um einen weiteren Fall von Straflosigkeit handle, da der Mord in der Vergangenheit nie vor ein Gericht kam. Sie sind der Ansicht, dass Gerechtigkeit gelten muss, egal ob eine Mord von Armee und Regierung oder der Guerilla, die gegen die letzteren kämpfte, begangen wurde.

Daltons Söhne, ein Journalist sowie ein Filmemacher, kündigten weitere Schritte an.

Quelle: Tim’s El Salvador Blog; Washington Post

La Vida Loca – ein Leben zwischen Drogen und Gewalt

08. Januar 2012

Sie sind mit Tätowierungen übersäht, verständigen sich in einem eigenen Sprach-Mix aus Englisch und Spanisch und ihr Alltag besteht aus grenzenloser Gewalt, schreibt Anna-Maria Jeske in einem Artikel für Adveniat (BRD). Sie terrorisieren ganze Städte und ihre Existenz hat sich für Zentralamerika zu einem umfassenden Sicherheitsproblem entwickelt. Die Maras sind transnational vernetzte, straff organisierte Jugendbanden, die sich über Drogen- und Waffenhandel finanzieren. Sie sind hauptsächlich in den Großstädten El Salvadors und Guatemalas zu finden und kontrollieren dort ganze Stadtteile. Wo sie leben, hat das staatliche Gewaltmonopol keine Bedeutung mehr.

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>> Video-Dokumentation von Ross Kemp: Die gefährlichsten Gangs der Welt – MS13 (45 Min.)

20 Jahre Friedensabkommen

06. Januar 2012

Am 16. Jänner 1992 wurden in Chapultepeque, Mexiko jene Friedensverträge unterzeichnet, welche den blutigen Bürgerkrieg und die Vorherrschaft der Streitkräfte beendeten. In der Folge wurde die damalige Guerillabewegung FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberacíon Nacional) zu einer politischen Partei, die es nach mehreren Anläufen 2009 erstmals schaffte als stärkste politische Kraft im Land mit Präsident Funes die Regierung zu stellen.

Das Parlament hat das Jahr 2012 einstimmig dem Gedenken an die Friedensverträge gewidmet. Parlamentspräsident Sigifrido Reyes betonte die Bedeutung der Verträge für das Zusammenleben iom Land, aber auch die Verantwortung für deren Weiterentwicklung für künftige Generationen. Es wird zahlreiche Veranstaltungen zum 20. Jahrestag geben, die von einer Kommission auf höchster Regierungsebene koordiniert werden.

Für die Auftaktveranstaltung am 16. Jänner wurde eine wichtige Stellungnahme von Präsident Funes zu Menschenrechtsangelegenheiten angekündigt. Auch in Frankreich und Mexiko – den Schirmherren der Friedensverhandlungen – sind Veranstaltungen geplant.

Quelle: Prensa Latina

Regierung verurteilt Zerstörung des Wandbilds an der Kathedrale

06. Januar 2012

Die salvadorianische Regierung verurteilte am 4. Jänner die Zerstörung des Murals des Künstlers Fernando Llort. Llort hatte dieses Mural als Hommage für die Friedensverträge 1997 um das Portal der Kathedrale angefertigt. In den letzten Tages des Jahres 2011 wurde es im Auftrag des Erzbistums entfernt. Das Kulturministerium sprach von einem Verstoß gegen den Denkmalschutz. Das Mosaik verband präkolumbianische und christliche Motive, um einen wichtigen Moment in der Geschichte des Landes zu würdigen, nämlich das Ende des Bürgerkrieges.

Angesichts massiver Kritik  entschuldigte sich der Erzbischof bei dem Künstler, der in einer Pressekonferenz die Zerstörung seines wichtigsten Werkes als traurigste Erfahrung seines Lebens bezeichnete.

>> Video von der Presskonferenz des Künstlers

>> Presskonferenz des Erzbischofs

Quelle: Estrategia Negocios

Zwanzig Jahre nach den historischen Friedensvereinbarungen fordert die Kirche einen neuen „Sozialpakt“

06. Januar 2012

Die Bilanz sei nach 20 Jahren zwar positiv, doch heute sei „mehr Engagement“ notwendig, so Erzbischof José Luis Escobar von San Salvador, wenige Tage vor dem 20. Jahrstag der historischen Friedensvereinbarungen, die am 16. Januar 1992 in Chapultepec (Mexiko) unterzeichnet wurden. Mit den Friedensvereinbarungen wurde ein 12jähriger Bürgerkrieg beendet.

In einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt, betont der Erzbischof von San Salvador: „Als Kirche haben wir die Friedensvereinbarungen stets gewürdigt. Sie wurden größtenteils umgesetzt und die Bilanz ist positiv. Es ist wichtig, dass wir nicht wieder zum Krieg zurückgekehrt sind und allein deshalb verdient das Land die Anerkennung der ganzen Welt, auch wenn es im Land heute eine neue Phase der Gewalt gibt“.
In diesem Zusammenhang fordert die Kirche heute einen neuen „Sozialpakt“ zur Bekämpfung von Gewalt und Armut in El Salvador. „Wir dürfen nicht denken, dass alles in Ordnung ist“, so der Erzbischof, „Wenn wir eine Bilanz ziehen, dann können wir sagen, dass Fortschritte gemacht wurden, aber wir müssen auch gestehen, dass es bedauerlicher Weise viele Armut und Gewalt gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch heute viele Menschen Opfer der Gewalt werden. Dies ist ein Problem, das wir lösen müssen“.
Abschließend betont der Erzbischof von San Salvador: „Die Feiern zum 20jährigen Jubiläum der Friedensvereinbarungen landen uns dazu ein über die Achtung des Friedens nachzudenken. Doch es besteht auch heute noch eine Schuld gegenüber der Gesellschaft, denn so lange die Situation nicht ganz gelöst ist, wird es in der Gesellschaft auch nicht überall Frieden geben“.
Quelle: Fidesdienst, 4.1.2012