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Das Drama eines verletzlichen Landes

Hochwasser, Muren und ein Vulkanausbruch - Die Menschen El Salvadors brauchen unsere Hilfe

  • Schwerste Regenfälle seit Hurrikan Mitch 1998 - bis zu 250 mm in vier Tagen
  • 73 Tote (vor allem durch Schlammlawinen)
  • 58.000 Evakuierte
  • Überschwemmungen in vielen Teilen des Landes
  • 700 größere und kleinere Erdrutsche und Schlammlawinen
  • 65% des Landes ist gefährdet
  • Wichtige Verbindungsstraßen unterbrochen
  • Ausbruch des Volkans Ilamatepec am 2. Oktober - 500 Mio. Kubikmeter Asche, Lava und Gesteinsbrocken
  • Evakuierung einer Vier-Kilometerzone
    Mehr als 17 Erdstöße
  • Katastrophenschutz überfordert
  • Internationale Hilfe läuft an
  • wirtschaftliche Schäden noch nicht abschätzbar

>> Karte der Risiko-Zonen
>> Fotogalerie: Vulkanausbruch
>> Fotogalerie: Stan

El Salvador wird derzeit von der schlimmsten Naturkatastrophe seit Hurrikan Mitch (November 1998) heimgesucht. Ausgelöst wurden die schweren Regenfälle und in der Folge die Überschwemmungen und Erdrutsche durch den Tropensturm Stan, der an den Küsten Südmexikos auf Land traf und enorme Regenmengen mit sich führte. In den Tagen zwischen 2. und 8. Oktober fielen größere Regenmengen als 1998 während Mitch. Am 26. September wurden in nur 45 Minuten 60 mm gemessen, am 3. Oktober wurden 100 mm gemessen. In den Küstenregionen sind innerhalb von vier Tagen bis zu 250 mm Regen gefallen.

Einmal mehr zeigte sich die Verwundbarkeit des Landes, die mangelnden Ressourcen, Katastrophen dieses Ausmaßes zu bewältigen sowie das Fehlen entsprechender Vorsorgemaßnahmen. Seit Mitch wurde kaum etwas unternommen, um die Lebensbedingungen der Menschen in besonders gefährdeten und exponierten Gebieten zu verbessern. Daher sind erneut Armenviertel und Armensiedlungen betroffen, wo Menschen ihre Häuser an Bächen und Flüssen sowie an abrutschgefährdeten Hängen errichtet haben. Nach offiziellen Angaben sind vier von 10 Haushalten von Armut betroffen, am Land sind es gar 60%. Diese Behausungen bestehen meist aus Sperrholz und Wellblech. Betroffen waren aber auch wie beim Erdbeben von 2001 neue Häuser, die am Abhang der Bálsamo-Kordillere nahe Santa Tecla errichtet wurden. Eine durch das Erdbeben ausgelöste Schlammlawine begrub damals hunderte Menschen. Diese Häuser kosteten viel Geld, wurden allerdings in äußerst gefährdeten Gebieten oder in Naturschutzgebieten errichtet.

Fast zeitgleich mit Stan brach El Salvadors größter Vulkan, der Ilamatepec (Vulkan von Santa Ana), nach wochenlanger Aktivität am 2. Oktober aus. Er stieß seither über 500 Mio. km3 Asche, Lava und Gesteinsbrocken (von bis zu einem Meter Durchmesser) aus. Austretende Gase gefährden die Gesundheit vor allem der Kinder, bei denen bereits Hautausschläge festgestellt wurden. Zwei Menschen starben durch einen Erdrutsch, mindestens 20.000 Menschen haben ihre Häuser verlassen, 5.000 wurden in Auffanglagern in Sonsonate und Santa Ana untergebracht. Die Zone im Umkreis von 4 km um den Krater wurde komplett evakuiert. In den angrenzenden Gebieten herrscht Alarmstufe gelb. Die Rettungsmaßnahmen wurden durch die starken Regenfälle behindert. Mehr als 17 Erdstöße (der stärkste wurde mit 4,8 registriert) erhöhen die Gefahr von Erdrutschen und Schlammlawinen zusätzlich, da die Boden durch eine intensive Regenzeit schon vor Stan zum Teil wie ein Schwamm voll gesogen waren und kein weiteres Wasser mehr aufnehmen können. Die Zerstörung der Umwelt durch Abholzung verschlimmert die Auswirkungen von Wirbelstürmen und massiven Regenfällen.

Nach offiziellen Angaben wurden bis 7. Oktober 73 Menschen Opfer der Katastrophe, die meisten von ihnen (80%) wurden durch Erdrutsche und Schlammlawinen verschüttet, weil sie im Schlaf überrascht wurden. Fast 58.000 Menschen wurden evakuiert und in Schulen, Kirchen und anderen öffentlichen Gebäuden untergebracht. Fast 400 Auffanglager wurden eingerichtet. Außerdem haben wohl tausende weitere Menschen bei Freunden und Verwandten Unterschlupf gesucht. Nach offiziellen Schätzungen leben über 66.000 Menschen in Gebieten, die von Erdrutschen bedroht, mehr als 94.000 leben in hochwassergefährdeten Gebieten.

Insgesamt wurden 700 größere und kleinere Erdrutsche und Schlammlawinen im ganzen Land registriert. Davon betroffen sind auch wichtige Straßen wie die Panamericana, die Küstenstraße, die Straße van San Salvador nach la Libertad. Auch in Ahuachpán sind einige Straßen blockiert und zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Experten schätzen, dass auf etwa 65% des Landes mit weiteren Schlammlawinen zu rechnen ist.

Die Gesundheitssituation ist dramatisch. 80% der Behandelten sind Kinder, die häufigsten Krankheiten sind Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten (ausgelöst durch den Aufenthalt im Wasser), Durchfallerkrankungen und Lungenentzündungen. Dazu kommen psychische Probleme, Menschen sind durch die Naturkatastrophe und den Verlust von Familienmitgliedern und ihrer wenigen Habseligkeiten traumatisiert. Bisher haben nicht alle Auffanglager medizinische Betreuung erhalten. Auch bei der Versorgung mit Lebensmitteln war das staatliche Katastrophenkomitee (COEN) überfordert.

Die Elektrizitätswerke des Landes (vor allem am Rio Lempa) mussten inzwischen ihre Staubecken zum Teil ablassen, weil diese die Regenmengen (erheblich höher als 1998 bei Hurrikan Mitch) nicht mehr aufnehmen konnten. Für die Menschen und Siedlungen am Unterlauf des Lempas bringt dies ein starkes Ansteigen des Pegels (um etwa 5 m) und weiträumige Überschwemmungen. Von Überschwemmungen besonders betroffen sind Orte in San Vicente (Zacatecoluca, Bajo Lempa) sowie Santa Tecla und Zaragoza in der Provinz La Libertad. Überschwemmungen gab es auch in Ahuachapán (im Westen des Landes) sowie in den Küstenregionen. Auch aus Sonsonate, La Unión und Morazán wurden Überschwemmungen gemeldet.

Am meisten betroffen von der jüngsten Naturkatastrophe ist die Region Paracentral (San Salvador und Umgebung). Erdrutsche zerstörten zahlreiche Häuser, das Abwassersystem brach zusammen, Bäche traten über die Ufer. Drei Viertel der Todesopfer waren dort zu beklagen.

Noch nicht abzuschätzen sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. Große landwirtschaftliche Flächen sind überschwemmt und die Ernten vernichtet. Betroffen sind neben den Exportprodukten Kaffee (vor allem um den Vulkan von Santa Ana) und Zuckerrohr auch Grundnahrungsmittel wie Mais und Reis. Auch die Fischereiwirtschaft muss mit Einbußen rechnen. Erste Schätzungen beziffern die Verluste in der Landwirtschaft mit $ 7,5 Mio.

Besonders betroffen sind die Kinder. Tausende haben ihre Wohnungen und Häuser verloren. 150 Schulen wurden ganz oder teilweise zerstört. Zahlreiche Schulen dienen als Auffanglager. Der Schulbetrieb wurde eingestellt. Die in El Salvador ansässigen UNO-Organisationen befürchten, dass es Wochen dauern wird, bis sich der Schulbetrieb wieder normalisiert.

(Quellen: CIDEP, UNO-Organisationen, COEN, lokale Tageszeitungen)
http://www.nacionesunidas.org.sv/emergenciaelsalvador/
http://www.reliefweb.int/rw/RWB.NSF/db900SID/LSGZ-6GXDJB?OpenDocument
http://www.reliefweb.int/rw/RWB.NSF/db900SID/ACIO-6GXTL7?OpenDocument&rc=2
http://www.reliefweb.int/rw/RWB.NSF/db900SID/ACIO-6GXTHP?OpenDocument&rc=2&cc=slv

http://desastres.ops.org.sv/internas/COEN_vigila_baja_presion_sobre_el_pais.htm
http://www.snet.gob.sv/Geologia/informe050712.htm

http://www.elsalvador.com/ (Tageszeitung El Diario de Hoy; Bilder, aktuelle Berichte)

http://www.raices.com.sv/especiales/especiallluvias.htm (linke Netzzeitung, aktuelle Berichte)

 


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