Vom Umweltschutz, der
sich bezahlt macht - für arme Bauern, die unter der Leitung
eines Exguerillero in einer Kooperative organisiert sind. Beispielhaftes
aus El Salvador
Von Raúl Gutiérrez/IPS
Wegen der niedrigen Weltmarktpreise haben die meisten Kaffebauern
in El Salvador erhebliche Probleme. (>>
Zur Kaffeeindustrie in El Salvador) José Antonio
Sandoval aber kann die Nachfrage der Kunden zur Zeit nicht
decken. Sandoval leitet die "Santa-Adelaida-Kooperative"
in den Bergen der Cordillera del Balsamo etwa 30 Kilometer
südlich der Hauptstadt San Salvador. Insgesamt besitzt
die Kooperative 860 Hektar Land, auf 650 Hektar davon wachsen
Kaffeepflanzen. Zum Schutz der Umwelt setzen die Bauern immer
weniger Chemie ein. Dies hat zu einem höheren Einkommen
und der Sicherung von Sozialprogrammen für die Kooperationsmitglieder
geführt.
1200 Meter über dem Meeressspiegel sind die
klimatischen Bedingungen für den Anbau ideal. Die Kooperative
liefert in die USA, nach Europa und Japan, seit kurzem auch nach
China. Der 44jährige Sandoval hat während des salvadorianischen
Bürgerkriegs in den Jahren 1980 bis 1992 im Widerstand gekämpft.
Dank seiner Geschäftstüchtigkeit konnte der "Santa-Adelaida"-Kaffee
auf dem internationalen Markt Fuß fassen. Vor einigen
Wochen war der Exguerillero auf Messen in Deutschland und Italien.
Dort traf er seinen neuesten Abnehmer aus China.
"Wir erschließen immer größere
Märkte, jetzt gehen wir sogar nach China. Das ist sehr gut
für unsere Kooperative, denn es bedeutet mehr Jobs und ein
besseres Einkommen für die Familien", so Sandoval. Die
meisten Mitglieder der Kooperative gehören ethnischen Minderheiten
an, die sozial ausgegrenzt sind, nur wenig Bildung haben und aus
armen Verhältnissen kommen.
Dank seines Mobiltelefons ist Sandoval über
die aktuellen Kaffeepreise immer bestens informiert. Der Kaffee-Verband
der Agrarreform-Kooperativen UCRAPRODEX, dem auch die Bauern von
Santa Adelaida angehören, schickt regelmäßig die
neuesten Zahlen. Das Land der Kooperative gehörte früher
der wohlhabenden Familie Dueñas. Die Kaffeebauern erhielten
es kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Zuge einer Landreform,
die den Rebellen der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí
(FMLN mittlerweile als Partei registriert), die Unterstützung
nehmen sollte.
Als 1992 die internationalen Kaffeepreise fielen,
ließ sich die Kooperative im Anbau von Bio-Kaffee schulen.
Zuerst waren 70 Hektar für den biologischen Anbau vorgesehen,
mit der Zeit wurde die Fläche dann vergrößert. In
diesem Jahr beträgt die Fläche für den ökologischen
Anbau 265 Hektar.
Seit 1995 erhält "Santa Adelaida"
ein Öko-Zertifikat von der International
Organic Crop Improvement Association (OCIA). Dieses ermöglichte
einen ersten Export von 69000 Kilo Kaffee nach Japan. Danach wurde
der Kaffee der Kooperative in den USA und Europa akzeptiert. Verkauft
wird er auf dem US-amerikanischen und europäischen Markt zu
einem Preis von bis zu 170 US-Dollar für rund 46 Kilo. Dieselbe
Menge Kaffee aus konventionellem Anbau bringt höchstens 125
Dollar.
Die Kooperative dürfte rund 736000 Kilo regulären
Kaffee und 276000 Ökokaffee aus ihrer Ernte von 2006/07 ausführen
können. Im Jahr 2004/05 exportierte sie 179400 Kilo Kaffee
aus organischem Anbau und 644000 Kilo Normalkaffee. "Wir hoffen,
unsere gesamte Produktion bis 2012 auf organischen Kaffee umstellen
zu können", sagt Sandoval. Die Gewinne sollen in Bildungs-
und Gesundheitsprojekte für die 200 Mitglieder der Kooperative
fließen.
Dem Verband UCRAPRODEX gehören neben
"Santa Adelaida" 55 weitere Kooperativen an. Zu den bekanntesten
zählen "Las Lajas" und "El Pinal". Die
Erfolgsgeschichten dieser Kooperativen sind angesichts der sinkenden
Kaffeeproduktion des Landes beachtlich. Nach Angaben des salvadorianischen
Kaffeerats (CSC) lag die Kaffeeernte 1980/81 bei 165 Millionen Kilo
und 2001/02 bei 110,5 Millionen Kilo. Bis 2004/05 schrumpfte sie
auf 93,3 Millionen Kilo.