.Die Produktion von Kaffee, des wichtigsten Devisenbringers
El Salvadors, scheint sich sehr zur Freude der Produzenten
zu erholen.
Fördermaßnahmen zur Ankurbelung der Produktion,
höhere Preise, um 200 Mio. Dollar höhere Verkaufserlöse
gegenüber den Vorjahr, erfolgreiche Bekämpfung der
Schädlingsplage und eine verbesserte Produktion haben
das Geschäft mit dem Kaffee neu belebt.
Allerdings sind viele Produzenten hoch verschuldet, denn in
den letzten Jahren wurden zahlreiche Plantagen vernachlässigt.
Ein erheblicher Teil der 23.000 Kaffeeproduzenten leiden nach
wie vor unter der Krise, die der Preisverfall von Kaffee 2001
ausgelöst hatte. Sie häuften hohe Schulen an, die
sie jetzt noch immer abzahlen müssen.
Vor allem die durch die Landreform entstandenen
Kooperativen können ihren Verbindlichkeiten nicht nachkommen
und schreien um Hilfe, aber der einzige Zugang zu Darlehen sind
die Banken.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Krise viele Produzenten
zwang, ihre Fincas aufzugeben und auf andere Produktionen umzustellen.
Das betraf auch Gebäude und deren Ausstattung, wo Kaffee verarbeitet
wurde.
Nach Angaben des Vorsitzenden von Procafé gingen zwischen
Juni 2001 und Juli 2004 30.088 Manzanas (1 Manzana ist ~ 0,7 ha)
Kaffeeanbauflächen verloren. Dieser Verlust an Kaffeebäumen
hat auch zu einer Beeinträchtigung der Umwelt geführt.
Procafé rechnet 2006/07 (die Ernte beginnt am 1. Oktober)
mit einer Steigerung von 3,7% und damit gute Verkaufschancen für
den wegen seiner guten Qualität geschätzten "Aromático"-Kaffee.
Spezialkaffees
Einer der Gründe für das Comeback das Kaffees ist die
Auszeichnung von Spezialsorten, wie etwa durch die "Taza de
la Excelencia" des Nationalen Kaffeerates, was zu einer Qualitätssteigerung
und ziemlich rentablen Preisen geführt hat.
Die vierte "Taza de la Excelencia" zeichnete
23 Kaffeesorten aus, die im Juni über Internet versteigert
wurden. Das beste Ergebnis erzielte ein Kaffee, der in der Finca
Las Mercedes am Vulkan El Tigre angebaut wurde. Diese Finca liegt
in einem ehemaligen Kriegsgebiet in Usulután.
Ricardo Espitia, der Exekutivdirektor des Nationalen Kaffeerates
in einem Interview mit Raíces:
Wie war die vierte Auflage der Taza de la Excelencia"?
Die Qualität ist besser als in den Jahren davor,
auf jeden Fall ist sie besser als im Vorjahr. Außerdem können
wir eine größere Anzahl von Preisen vergeben, an 23 Fincas,
die meisten davon in Apaneca und Lametepec in Chalatenango und zum
ersten Mal geht eine Auszeichnung in den Osten, womit sich zeigt,
dass nicht nur der westen traditionell gut Qualität liefert.
Die im Wettbewerb vertretenen Fincas aus Chalatenango waren am erfolgreichsten.
Von drei teilnehmenden Fincas wurden drei von der national und international
zusammen gesetzten Jury ausgezeichnet. Auf dem nächsten Platz
folgt La Libertad, wo die wenigen Fincas, die sich beteiligten sehr
erfolgreich waren. Wir werden uns daher im nächsten Jahr auf
diese Regionen konzentrieren, weil wir wissen, dass sie gute Qualität
liefern, auch wenn wir die Produzenten dort erst davon überzeugen
müssen. Es zeigt sich, dass die Höhenlage wichtig für
die Qualität ist, aber nicht allein entscheidend, denn in La
Libertad haben wir mittlere Lagen. Und wir produzieren in diesen
mittleren Lagen annähernd so weil Kaffee wie in Hochlagen.
Haben auch kleinere Produzenten teilgenommen?
Es war so wie in all den Jahren davor. Die Teilnehmerschaft
widerspiegelt die Besitzverhältnisse
Es beteiligen sich mehrheitlich kleinere und mittlere Produzenten.
Gibt es mehrmalige Gewinner?
Es gibt Fincas, die schon einmal gewonnen haben, sich erneut beteiligen
und wieder gewinnen. Andere Gewinner haben sich in diesem Jahr nicht
beteiligt. Einige Gewinner nehmen nicht mehr teil, weil sie fürchten
ihren guten Ruf zu verlieren, was aber eigentlich nicht zutrifft.
Niemand erwartet, dass eine Finca jedes Jahr gewinnt. Einige Käufer
wünschen, dass sich ehemalige Gewinner beteiligen. Andere beteiligen
sich nicht, weil sie schon fixe Käufer gefunden haben.
Kaffeeschädlinge
Wie wirkt sich Schädlingsbefall auf die Ernte aus?
Traditionelle Schädlinge wurden erfolgreich bekämpf, weil
die Produzenten jetzt bessere Mittel dazu haben. Die Auswirkungen
des Schädlingsbefalls variieren in den einzelnen Provinzen,
sie hängen außerdem von der Wirtschaftslage ab. In den
Zeiten des Preisverfalls haben viele Produzenten Schädlinge
nicht bekämpft.
Wir verwenden chemische Mittel, in den letzten Jahren setzen wir
aber auch auf veränderte Produktionsmethoden, wie Schneiden
der Bäume, Gebrauch von Fallen, biologishce Schädlingsbekämpfung
und bestimmte Pilze, wir sprechen von einer "integralen Schädlingsbekämpfung".